DSW-Ranking zur Vernetzung der Aufsichtsräte
Trend zum „Berufsaufsichtsrat“

Eigentlich gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Aufsichtsräte, die reihum in den Gremien der verschiedenen Unternehmen sitzen. Doch dieser Trend zu "Berufsaufsichtsräten" ist gar nicht so schlecht, findet die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

HB BERLIN. Die Kontrolle über die im DAX notierten Unternehmen wird zunehmend von "Berufsaufsichtsräten" wahr genommen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte am Freitag in Berlin ein Ranking der Aufsichtsräte vor: Demnach sitzen die drei Führenden, Manfred Schneider (Aufsichtsratschef Bayer), Gerhard Cromme (Thyssen-Krupp) und Ulrich Hartmann (Eon) in den Kontrollgremien von 14 der 30 im Deutschen Aktienindex notierten Konzerne.

Die DSW bewertete den Trend zum "Berufsaufsichtsrat" positiv. Es sei erfreulich, dass unter den ersten zehn kein aktives Vorstandsmitglied eines Unternehmens sei. Vorstände seien durch ihre Arbeit zeitlich extrem belastet und es würde ihnen schwer fallen, Aufsichtsratsmandate vernünftig auszufüllen. Kritisch bewertete die Schutzvereinigung in ihrer Pressemitteilung allerdings, dass neun der ersten zehn frühere Vorstandsvorsitzender oder Vorstandssprecher der Konzerne waren, die sie jetzt als Aufsichtsratschef kontrollieren. Ausnahme ist der ehemalige Finanzvorstand und Aufsichtsratschef von Siemens. Er ist heute noch in den Aufsichtsräten von Eon, Linde und Schering vertreten und leitet jeweils die einflussreichen Prüfungsausschüsse.

Die Studie macht auch die enge Vernetzung der Topkontrolleure untereinander deutlich: Die zehn Ersten sitzen in Aufsichtsräten von 22 DAX-Unternehmen. Die DSW fand zudem acht Konzerne heraus, in deren Aufsichtsräten mindestens drei der zehn - in unterschiedlichen Zusammensetzungen - sich wieder begegnen.

Mächtigster Unternehmenskontrolleur ist der ehemalige Bayer-Vorstandschef Schneider mit sieben Aufsichtsratsposten, davon den Vorsitzen bei Bayer und Linde. Außerdem hat er elf Sitze in Ausschüssen der Gremien, darunter vier Vorsitze. Platz zwei hält der ehemalige Thyssen-Krupp-Vorstandschef Cromme mit dem Aufsichtsrat-Vorsitz bei seinem ehemaligen Arbeitgeber. In vier Aufsichtsräten und in sieben Ausschüssen (zwei Vorsitze) ist er Mitglied. Auf den weiteren Plätzen folgen Hartmann (Aufsichtsratsvorsitz von Eon), Martin Kohlhaussen (Commerzbank), Jürgen Weber (Lufthansa, Deutsche Post), Henning Schulte-Noelle (Allianz), Heinrich von Pierer (Siemens), Hubertus von Grünberg (Continental), Jürgen Strube (BASF) sowie Karl-Hermann Baumann.

Bis Platz 18 bleibt das Ranking der DSW Männer-Domäne. Platz 19 nimmt die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher, ein. Sie sitzt in vier Aufsichtsräten, aber in keinem der einflussreichen Ausschüsse. Auf Platz 41 folgt Susanne Klatten mit Aufsichtsratsposten bei Altana und BMW. An beiden Unternehmen ist ihre Familie beteiligt. Bei Altana sitzt sie auch im Personalausschuss.

Kritisch merkt die DWS an, dass in den Aufsichtsräten der international ausgerichteten DAX-Unternehmen "relativ wenige Ausländer" vertreten sind. Die Unternehmen sollten häufiger über die Landesgrenzen hinausschauen, riet die Organisation.

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