Duckmaschinenhersteller
Fusion von Manroland und Heideldruck gestoppt

Die geplante Fusion der Druckkonzern Manroland und Heidelberger Druck liegt auf Eis. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage bei Heidelberger Druck habe man „die Reißleine gezogen“, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld von Manroland.

DÜSSELDORF. Die geplante Fusion von Heidelberger Druck und dem Konkurrenten Manroland ist überraschend gescheitert. „Wir haben die Reißleine gezogen“, hieß es im Umfeld von Manroland. Entscheidend war letztlich die desolate wirtschaftliche Lage von Heidelberger Druck: Manroland sei nicht gewillt gewesen, nach jahrelanger Umstrukturierung und Kosteneinsparungen nun noch das Risiko von Heidelberger Druck zu tragen.

Damit gerät der angeschlagene Weltmarktführer aus Heidelberg noch stärker unter Druck – sollte doch die Verschmelzung mit Manroland das langfristige Überleben sichern. Wie groß die Probleme sind, zeigt die am Freitagabend vorgelegte Quartalsbilanz. Neben einem drastischen Umsatzeinbruch lieferte Vorstandschef Bernhard Schreier einen pessimistischen Blick auf das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2009/2010. Erwartet wird jetzt ein operativer Verlust von bis zu 150 Mio. Euro. Wenige Wochen zuvor hatte Schreier noch eine Bodenbildung ausgemacht.

Grund ist die tiefe Krise der Industrie: Wegen der schwachen Konjunktur halten sich die Kunden aus der Zeitungs- und Werbebranche weiter mit Investitionen in neue Druckmaschinen zurück. Erst kürzlich hatte sich Heidelberger Druck mit Hilfe von Staatsbürgschaften einen Finanzierungsrahmen über 1,4 Mrd. Euro gesichert und damit eine drohende Pleite abgewendet.

Bei Manroland und dessen Mehrheitsaktionär Allianz schrillten nach der Bilanzvorlage die Alarmglocken. „Heidelberger Druck wollte sich in die Arme der Allianz retten“, hieß es. In Anbetracht der Quartalsbilanz gebe es aber erhebliche Zweifel bezüglich der wirtschaftlichen Situation. Die desaströsen Ergebnisse vom Freitag seien „vermutlich nicht alles“. „Manroland wollte nicht die Suppe der anderen auslöffeln“, sagte ein Beteiligter.

Die beiden Unternehmen haben bereits mit drastischen Sparprogrammen auf die Krise reagiert. Bei den Heidelbergern muss jeder fünfte der 20 000 Beschäftigten gehen, bei Manroland immerhin 1 100 von 8 700.

Ursprünglich war die Allianz auch die treibende Kraft hinter der geplanten Fusion der Konkurrenten. Sie hält über ihren Private-Equity-Arm Allianz Capital Partners 65 Prozent von Manroland. Der Versicherungsriese ist zudem mit 13 Prozent an Heideldruck beteiligt. Die Allianz lehnte wie die beiden Druckmaschinenhersteller einen Kommentar zu den gescheiterten Verhandlungen ab.

Der Abbruch der Fusionsgespräche kommt unerwartet, waren die beiden Unternehmen doch bereits auf der Zielgeraden. Eine Einigung sollte ursprünglich in wenigen Wochen bekanntgegeben werden. „Lediglich die Finanzierung war offen. Hier aber liegt nach den jüngsten Zahlen von Heidelberger Druck das größte Risiko für eine Verschmelzung“, heißt es im Umfeld von Manroland. Selbst auf die Unternehmenswerte hatten sich die Verhandlungspartner bereits geeinigt. Diese sollen relativ gleich angesetzt worden sein, obwohl Heidelberger Druck der viel größere Spieler sei, hieß es im Umfeld von Manroland. Dabei seien Vertreter des Heidelberger Unternehmens immer wieder mit der Attitüde des Weltmarktführers aufgetreten.

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