Dudley will den Ölförderer aber trotzdem weiter führen
TNK-BP-Chef verlässt Russland

TNK-BP-Chef Robert Dudley hat wegen "schwerer Schikanen" gegen seine Person am Donnerstagabend überraschend Russland verlassen. Der Amerikaner habe beschlossen, dass es das Beste sei, wenn er seine Pflichten als CEO des drittgrößten Ölförderers Russlands von außerhalb des Landes wahrnehme, teilte BP mit.

MOSKAU. Der britische Multi hält 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen und ist seit Wochen in eine heftige Auseinandersetzung mit dem Besitzer der anderen Hälfte, dem russischen Konsortium AAR, verstrickt, das vehement den Rücktritt Dudleys fordert. Sie werfen dem US-Amerikaner Missmanagement vor.

Dudley habe Russland mit einer Linienmaschine verlassen, sagte ein TNK-BP-Sprecher der Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstagabend. Er werde die Geschäfte nicht von der Londoner BP-Zentrale aus führen, fügte er hinzu, wollte aber nicht sagen, wo der Manager sich aufhalten wird.

Dudleys Abreise ändere nichts an den Forderungen, teilte das AAR-Konsortium mit. "TNK-BP ist ein unabhängiges Ölunternehmen, und BP hält nicht die kontrollierende Mehrheit der Anteile", schrieb der Oligarch Michail Fridman, einer der Anteilseigner von AAR, in einer Mitteilung. "Wir fordern weiterhin, dass BP einen neuen CEO ernennt, der von Moskau aus arbeitet und TNK-BP im Interesse aller Aktionäre führt."

"Wir bedauern sehr, dass Robert Dudley das Opfer anhaltender Attacken geworden ist", kommentierte BP-Chef Tony Hayward die Vorgänge. Dudley habe keinen Stellvertreter ernannt, heißt es. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen sind in den vergangenen Tagen die Angriffe auf ihn so scharf geworden, dass er keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe als auszureisen. Ein Konzernsprecher wollte aber nicht näher erläutern, auf welche Art und Weise Dudley unter Druck gesetzt wurde. Offenbar erwägt BP nun rechtliche Schritte.

Seit Monaten stehen TNK-BP und vor allem sein ausländisches Management unter starkem Druck russischer Behörden, darunter das Steueramt, die Arbeitsbehörde und sogar der Inlandsgeheimdienst FSB. Allein in dieser Woche mussten weitere 60 BP-Fachleute sowie ausländische Mitarbeiter das Land verlassen. Nach wie vor ist nicht klar, wie viele der übrigen 85 ausländischen Mitarbeiter rechtzeitig ein neues Visum bekommen können, bisher sind es nur zehn.

Dabei steuert TNK-BP nach Angaben seines Chief Operating Officers Tim Summers auf das beste Jahr seit seiner Gründung zu: Im ersten Halbjahr sei das Nettoeinkommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 128 Prozent auf 4,7 Mrd. Dollar gestiegen, sagte er gestern. Bisher habe der Aktionärsstreit keine gravierenden Auswirkungen auf Rentabilität und Produktion gehabt.

Die russischen Aktionäre, darunter der Eigentümer der Alfa-Gruppe, Fridman, und Wiktor Wekselberg von Renova, drängen aber darauf, die Investitionen zu senken, um die frei werdenden Gelder in die Dividende zu lenken. Sollte es zu Einschnitten kommen, würde dies die Produktion im nächsten Jahr mit einem Minus von rund sechs Prozent beeinträchtigen, sagt Summers, dessen Visum nächste Woche ausläuft.

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