Düsseldorfs OB kritisert Einmischung der Kommunen scharf: Börse straft RWE für Personal-Coup ab

Düsseldorfs OB kritisert Einmischung der Kommunen scharf
Börse straft RWE für Personal-Coup ab

Anleger und Analysten haben die Nachricht vom überraschenden Führungswechsel bei dem Essener Energiekonzern RWE negativ aufgenommen, der Aktienkurs des Unternehmens ist auf Talfahrt gegangen. Mindestens so überraschen wie die von der Arbeitnehmerseite initiierte Ablösung von Harry Roels kommt die Berufung von Jürgen Großmann, die für Erstaunen, aber auch für Verärgerung sorgt.

juf/mjh/fo/HB DÜSSELDORF. Die RWE-Aktie war am Mittwoch der größte Verlierer im Deutschen Aktien-Index (Dax) und gab zwischenzeitlich um bis zu 3,5 Prozent nach. Die Analysten von Sal. Oppenheim werteten den Führungswechsel als Belastung für die Aktie. „Aus er Sicht des Kapitalmarktes ist das nicht nachzuvollziehen“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Roels hat seine Arbeit gut gemacht, die Aktionäre können sich nicht beschweren“, sagt auch Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Für Analyst Theo Kitz von Merck Finck könnte das Kursminus von RWE auf die Meldung vom Chefwechsel Ausdruck der Verunsicherung des Marktes über die künftige Dividenden- und Bonuszahlungs-Politik von RWE sein.

Auch in der Branche stieß der Führungswechsel auf Unverständnis. „Shareholder Value hat im RWE-Aufsichtsrat offenbar nicht die erste Priorität“, sagte ein Manager eines Konkurrenten. „Erst wollten sie mit Roels in die Weltliga, jetzt machen sie die doppelte Rolle rückwärts in die Regionalliga.“

RWE hatte am Morgen bekannt gegeben, dass Vorstandschef Roels entmachtet wird. Der Niederländer soll zwar seinen Vertrag, der Ende Januar 2008 ausläuft, noch erfüllen, darf aber keine zweite Amtszeit ausüben. Sein Nachfolger wird überraschend der niedersächsische Stahlunternehmer Jürgen Großmann. Er wird bereits zum ersten November in den Vorstand eintreten – und Roels damit zur Seite gestellt. Aufsichtsratskreisen zufolge wird die Ernennung Großmanns sowohl von der Kapitalseite, als auch von den Kommunen und den Arbeitnehmern mitgetragen.

Auch in Konzernkreisen zeigte man sich über die Entscheidung überrascht. Noch vor einer Woche war mit einer Vertragsverlängerung gerechnet worden, wenn auch nur mit einer verkürzten Laufzeit. Aufsichtsratschef Thomas Fischer hat die Lösung mit Großmann aber offenbar schon länger vorbeitet. Roels ist aber letztlich an den schwierigen Machtverhältnissen im RWE-Konzern gescheitert. Im Aufsichtsrat stehen sich mehrere Interessengruppen gegenüber – neben der Kapitalseite auch die einflussreichen Ruhrgebietskommunen, die mit 28 Prozent beteiligt sind, sowie mit IGBCE und Verdi gleich zwei Gewerkschaften. Sowohl bei den Kommunen als auch den Gewerkschaften stieß Roels kapitalmarktorientierter Kurs auf scharfe Kritik.

Überraschend kommt auch die Bestellung seines Nachfolgers. Großmann verfügt über keinerlei Erfahrungen in der Energiebranche. Der Stahlmanager hatte 1993 für zwei Mark die ehemalige Klöckner Edelstahl GmbH in Georgsmarienhütte bei Osnabrück erworben und das marode Werk in ein florierendes Stahlunternehmen verwandelt. Ende 2006 wechselte er in den Aufsichtsrat des Unternehmens. „Es stellt sich die Frage, warum ein Stahlunternehmer die Branche und zu einem Energieversorger wechselt“, sagte ein Börsianer. Einige Investoren zweifelten wohl, ob es sich um eine Idealbesetzung handele.

Zum jetzigen frühen Zeitpunkt sei die Personalie schwer zu beurteilen, sagte auch Merck-Finck-Analyst Kitz. Großmann sei relativ unbekannt und komme nicht aus der Energiebranche. Das müsse aber nicht negativ sein. „Sollte er einige frische Ideen mitbringen, könnte es sich als positiv erweisen." Roels habe eine makellose Arbeit geleistet und im Interesse der Aktionäre agiert, ergänzte der Analyst.

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