Dupont verlagert Schwerpunkte, Dow schließt Cracker, BASF engagiert neue Manager
Chemiekonzerne räumen verstärkt im US-Geschäft auf

Nicht nur in Europa, auch in Nordamerika bleibt die Chemiebranche trotz Konjunkturerholung unter Anpassungsdruck. Große Konzerne wie Dupont, BASF und Dow Chemical intensivieren die Umbauarbeiten. Auslöser sind vor allem hohe Rohstoffkosten, die daraus resultierenden Ertragsschwächen und das Abwandern wichtiger Abnehmerbranchen wie Elektronik-, Textil und Konsumgüterindustrien.

FRANKFURT/M. Der US-Konzern Dupont kündigte vor diesem Hintergrund jetzt ein Programm an, das bis 2005 die Kosten um 900 Mill. $ senken soll. Anfang November hatte er bereits seine große, aber ertragsschwache Fasersparte an das Privatunternehmen Koch Industries verkauft. Nun will Dupont die Zentralfunktionen an die neue Konzernstruktur anpassen, das verbleibende Produktprogramm weiter verkleinern und die Aktivitäten in wachstumsstärkere Märkte verlagern. „Das Gravitationszentrum des Konzerns wird sich mehr in Länder wie China verschieben“, kündigte Firmenchef Charles Holliday an. Ziel der Neuausrichtung ist ein jährliches Umsatzwachstum von 6 % und eine zweistellige Steigerung des Gewinns je Aktie.

Auch bei BASF stehen deutliche Einschnitte bei den ertragsschwachen Nordamerika-Aktivitäten bevor. Ein weiteres Strukturprogramm für die Nafta-Region gehörte im Sommer zu den ersten wichtigen Entscheidungen des neuen Firmenchefs Jürgen Hambrecht. Über die bereits laufende Kostensenkung bei Service-Funktionen hinaus will der Ludwigshafener Konzern Produktprogramm und Standortstrukturen in der Nafta-Region „optimieren“. Details sollen bis Anfang des Jahres ausgearbeitet werden. Analysten rechnen mit einer deutlichen Bereinigung, nachdem Hambrecht jüngst „schwierige Entscheidungen“ ankündigte.

Er setzt dabei offensichtlich verstärkt auf frische Kräfte von außen. Als Nachfolger von Carl Jennings, der im Sommer in Ruhestand ging, hat jetzt der frühere BP-ChemicalsManager Patrick Prevost die Leitung des umfangreichen US-Chemikalien-Geschäfts übernommen. Bereits Anfang Oktober wurde mit Gerry Podesta ein ehemaliger Manager von GE Plastics auf den Chefsessel der Sparte Veredlungsprodukte in den USA berufen.

Relativ hohe Rohstoffkosten

Der BASF-Konzern hat etwa 10 Mrd. Euro in Nordamerika investiert. Bei 5,6 Mrd. Euro Umsatz erzielte er in den ersten neun Monaten allerdings nur knapp 60 Mill. Euro Betriebsgewinn in der Region. Als Schwäche gilt unter anderem die relativ verzettelte Produktionsstruktur, die aus mehreren Akquisitionen resultiert und mehr als 40 Einzelstandorte umfasst. Die Anlagenauslastung werde sich dank der Konjunktur zwar wieder verbessern. „Dessen ungeachtet wird die BASF ihre Kostensenkung intensivieren müssen, um eine Verbesserung der US-Erträge zu gewährleisten“, folgern Chemieexperten von Goldman Sachs in einer Studie.

Konterkariert wird die Konjunkturerholung in den USA weiterhin von relativ hohen Rohstoffkosten. So haben sich insbesondere die Preise für Erdgas, einen besonders wichtigen Rohstoff der US-Chemiebranche, in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. In Reaktion darauf hat Dow Chemical im Juni und September zwei so genannte Cracker stillgelegt, in denen Basischemikalien wie Ethylen aus Erdgas hergestellt werden.

Eine weitere Herausforderung für die Branche ist die Abwanderung von Kundenindustrien, insbesondere nach Fernost. „Der Veränderungsdruck in dieser Hinsicht ist größer als bisher gedacht“, warnt BASF-Chef Hambrecht.

In den USA wächst das verarbeitende Gewerbe seit Mitte 2001 deutlich schwächer als die Gesamtwirtschaft, während es in den Jahren zuvor noch umgekehrt war. Vor allem für die US-Chemieriesen ist das ein bedrohliches Signal. Denn sie halten nach wie vor den Löwenanteil ihrer Assets in den USA. In Zukunft aber, kündigte Dupont-Chef Holliday an, „müssen wir unsere Ressourcen stärker dorthin bringen, wo die Kunden sind.“

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