Dyckerhoff muss 95 Millionen Euro zahlen: Hohe Strafen gegen Zementkartell verhängt

Dyckerhoff muss 95 Millionen Euro zahlen
Hohe Strafen gegen Zementkartell verhängt

Das Bundeskartellamt hat nach Angaben aus Branchenkreisen im Kartellverfahren gegen Unternehmen der Zementindustrie hohe Bußgelder verhängt. Der Zement- und Betonhersteller Dyckerhoff bestätigte den Eingang eines Bußgeldes von 95 Mill. €.

Reuters DÜSSELDORF. „Das Bundeskartellamt hat uns mitgeteilt, dass die Bußgeldbescheide verschickt worden sind“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus Branchenkreisen. Die Bescheide seien an sechs große Firmen der Branche verschickt worden. Ein Dyckerhoff-Sprecher bestätigte am Nachmittag den Eingang des Bußgeldbescheides. Der auf die AG entfallende Betrag von 95 Mill. € entspreche genau den dafür gebildeten Rückstellungen, sagte er. Dazu könnte noch eine Buße für die Dyckerhoff-Beteiligung Anneliese kommen, für die weitere zwölf Mill. € reserviert worden waren. Dyckerhoff werde gegen das Strafmaß voraussichtlich Einspruch einlegen. Der Wiesbadener Konzern hatte durch eine Kooperation mit der Behörde eine höhere Buße vermieden.

Der Ulmer Baustoffhersteller Schwenk Zement habe ebenfalls einen Bußgeldbescheid erhalten, sagte Geschäftsführer Gerhard Hirth. „Wir haben ihn unserem Anwalt übergeben. Wir wollen ein Urteil vor einem ordentlichen Gericht“, kündigte er rechtliche Schritte an. Schwenk hält auch 22,4 % an Heidelberg-Cement.

Böge: Milliardenbußgelder möglich

Kartellamtschef Ulf Böge hatte in der Vergangenheit mehrfach gesagt, auf die Firmen der Branche könne eine Gesamtstrafe bis in den Milliarden-Bereich hinein zukommen. Dies wäre eine Rekordstrafe. Eine Sprecherin des Bundeskartellamts wollte sich nicht zur Höhe der Strafen äußern. Sie kündigte aber für den kommenden Montag eine Pressekonferenz an.

Kartellamtsstrafe für den Bauzulieferer Heidelberg-Cement wegen angeblicher Preisabsprachen werde nicht so hoch ausfallen, wie es ursprünglich in Branchenkreisen für möglich gehalten worden war, hieß es weiter. Das Bußgeld für Heidelberg-Cement werde unter 400 Mill. € liegen, erfuhr Reuters aus Branchenkreisen. Vor einigen Wochen hatte es noch geheißen, dass das Strafgeld die Rekordhöhe von 400 Mill. € erreichen könnte. Wie es in den Kreisen zudem hieß, verschickte das Bundeskartellamt wegen des Verdachts auf Preisabsprachen Bußgeldbescheide an sechs große Zementfirmen in Deutschland. Früheren Angaben zufolge dürfte es sich dabei neben Heidelberg-Cement, Dyckerhoff und Schwenk um Readymix, Holcim und Lafarge handeln.

Ein Sprecher von Heidelberg-Cement sagte, man habe noch keinen Bescheid aus Bonn erhalten. Heidelberg-Cement hatte bereits vorher angekündigt, gegen die Entscheidung klagen zu wollen. Der Marktführer gilt als einziges Unternehmen in dem mutmaßlichen Kartell, das sich nicht kooperationsbereit zeigte, weshalb ihm eine höhere Strafe droht.

Zur genauen Höhe der gesamten Bußgelder sei noch nichts bekannt, da die Bescheide noch nicht bei allen Unternehmen eingetroffen seien, hieß es in Branchenkreisen weiter. Die Zeitung „Die Welt“ berichtete indes am Freitag vorab, die Kartellwächter hätten Rekordbußgelder von insgesamt rund 980 Mill. € verhängt.

Zementmarkt widerrechtlich untereinander aufgeteilt

Böge hatte im vergangenen Jahr erklärt, mehrere Firmen hätten den Zementmarkt widerrechtlich untereinander aufgeteilt. Es sei klar, dass das Kartell existiert habe. Dies sei schon dadurch deutlich geworden, dass einige der betroffenen Firmen mit den Kartellwächtern kooperiert hätten.

Die Zement-Branche gilt unter Wettbewerbsrechtlern als besonders anfällig für Absprachen. Das Produkt ist in Deutschland genormt und Qualitätsunterschiede fallen damit praktisch nicht ins Gewicht. Die Absatzmärkte sind regional begrenzt, da sich der Transport über große Entfernungen in der Regel nicht lohnt. Die Baustoffbranche war erst vor vier Jahren von dem bisher größten Kartellverfahren betroffen. Damals ging es um Absprachen bei Preisen und Absatzmengen von Transportbeton. Die Kartellbehörde hatte damals an 50 Firmen Bußgelder von insgesamt 190 Mill. € verhängt.

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