Dynastien
Die brachialen Vollgas-Familien Porsche und Piech

Porsche und Piëch, das ist die Geschichte von Autokonzernen und genialen Erfindungen, aber auch die Geschichte brutaler Machtkämpfe in einer Dynastie, in denen Cousins verstoßen, Frauen ausgespannt und Intrigen gesponnen werden.
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Ferdinand Piëch ist aufgetaucht, obwohl niemand mit ihm gerechnet hat. Es ist der 12. Mai 2009, VW stellt auf Sardinien den neuen Polo vor, doch der Termin ist mehr Vorwand denn Grund für Piëchs Auftritt. Eigentlich will er zeigen, dass er auf dem Höhepunkt seiner Macht ist, dass er wieder aufgestanden ist, nachdem die Beobachter ihn schon am Boden gesehen hatten. "Ihr braucht uns nur am Tisch sitzen zu sehen, und dann wisst ihr alles", ruft er Journalisten zu. Seht her, will er damit sagen, ich habe den Machtkampf um die Zukunft von Porsche und VW gewonnen.

Der Unterlegene sitzt in Stuttgart, es ist der eigene Cousin: Wolfgang Porsche, 67, Aufsichtsratschef der Sportwagenschmiede Porsche.

Im kommenden Jahr wird aus Volkswagen und Porsche ein einziger Autokonzern. Ferdinand Piëch vereint damit jene Unternehmen, die sein Großvater einmal gegründet hat. Es geht dabei nicht nur um eine unternehmerische Entscheidung, sondern um die Vorherrschaft in einer Dynastie, die seit drei Generationen mehr für die Weiterentwicklung des Autos getan hat als jede andere Familie der Welt. Und die ihren Erfolg nicht allein technischer Genialität verdankt, sondern auch dem Umstand, dass sie immer die Nähe zu den Mächtigen gesucht hat.

Das Duell zwischen Piëch und Porsche ist nicht der erste Konflikt in dieser Familie, er schreibt eine jahrzehntelange Tradition fort. Porsche und Piëch, das ist die Geschichte genialer Erfindungen, aber auch die brutaler Machtkämpfe, in denen Cousins verstoßen, Frauen ausgespannt und Intrigen gesponnen werden.

Alles beginnt auf einem Dachboden

Der Junge schleicht sich auf den Dachboden seines Elternhauses, wenn er eines seiner Experimente macht. Er baut Batterien, kleine Motoren, elektrische Klingeln. Aber er muss es dort tun, wo niemand etwas mitbekommt. Denn sein Vater will nicht, dass das Kind experimentiert. Er will, dass Ferdinand Porsche, geboren am 3. September 1875 im böhmischen Maffersdorf - oder: Vratislavice nad Nisou -, drittes von fünf Kindern, den Spenglerbetrieb der Familie übernimmt.

Erst als Ferdinand im Alter von 17 Jahren zu Hause einen Dynamo mit Schwungrad installiert und seinen Eltern damit zum ersten Mal elektrisches Licht beschert, gibt der Vater nach. Der Sohn darf einen technischen Beruf wählen. Er geht nach Wien und macht rasch Karriere. Für den ungarischen Elektro-Pionier Béla Egger installiert er im kaiserlichen Schloss Schönbrunn elektrisches Licht. 1897 wirbt der Kutschenbauer und k.u.k. Hoflieferant Ludwig Lohner ihn für seine neu gegründete "elektromobile Abteilung" ab. Der junge Konstrukteur entwirft den ein Automobil, das bis zu 45 Stundenkilometer fährt, schneller als Pferdegespanne, das ist im Jahr 1899 eine Sensation. Zwei Elektromotoren in den vorderen Radnaben treiben den Wagen an. Später baut Porsche Motoren in alle vier Radnaben und nimmt so den Quattro-Antrieb vorweg.

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