E-Auto-Pläne von Daimler

Smart soll rein elektrisch fahren

Daimler will seine Kleinwagenmarke Smart ab 2020 nur noch mit Elektromotor ausliefern. Auch bei Mercedes soll eine große E-Offensive kommen. Investoren bereitet der Stuttgarter Autobauer auf sinkende Margen vor.
Kommentieren
Der Kleinwagen rollt ab 2020 nur noch mit Elektromotor vom Band. Quelle: AP
Smart-Studie

Der Kleinwagen rollt ab 2020 nur noch mit Elektromotor vom Band.

(Foto: AP)

FrankfurtDaimler rechnet beim Ausbau seines Elektroauto-Absatzes mit niedrigeren Renditen im Pkw-Geschäft als derzeit. Der Übergang zur Elektromobilität gehe mit hohen Investitionen und geringeren Margen einher als beim aktuellen Modellangebot, erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche auf einer Investorenkonferenz in Sindelfingen am Montag.

Der Konzern wolle zwar die aktuelle operative Rendite im Pkw-Geschäft von zehn Prozent „so gut wie möglich“ während des Übergangs zu Elektroautos halten. Es bestehe aber das Risiko eines Rückgang auf rund acht Prozent.

„Wir werden weiterhin zehn Prozent anstreben, aber wir müssen während des Übergangs auf einen Korridor von acht bis zehn Prozent vorbereitet sein“, sagte der Finanzchef der Pkw-Sparte Mercedes-Benz, Frank Lindenberg. Um das abzufangen, sei ein Sparprogramm über vier Milliarden Euro bis 2025 geplant.

Das sind die meistverkauften Autos von Daimler
Platz 7: Sports Cars
1 von 7

Den Anfang der meistverkauften Fahrzeuge machen die Sportwagen von Mercedes. Der Absatz ging im Jahr 2016 allerdings um sieben Prozent auf 27.000 verkaufte Fahrzeuge zurück. Der abgebildete Mercedes-AMG GT Roadster feierte am 24. Juni 2016 Weltpremiere.

Quelle: Geschäftsbericht Daimler 2016

Patz 6: S-Klasse
2 von 7

Die S-Klasse von Mercedes wurde im abgelaufenen Jahr 84.000 Mal verkauft. Die anderen Mercedes-Klassen waren erfolgreicher und liegen im Ranking höher. Kein Wunder, der Absatz der S-Klasse ging um 21 Prozent zurück – obwohl der Autobauer das neue S-Klasse Cabriolet auf den Markt brachte.

Platz 5: Smart
3 von 7

Das kleinste Fahrzeug aus der Produktpalette belegt Platz fünf. Der Absatz des Smarts stieg im Jahr 2016 um 19 Prozent auf 144.000 Fahrzeuge. Die Großbestellung der New Yorker Polizei trug bestimmt zur Absatzsteigerung bei: Die ersten 100 Smart Fortwo gingen an das Police Department – 150 weitere Fahrzeuge sind bestellt. Sie ersetzen in Zukunft die dreirädrigen Motorräder in der Stadt. Andere Autos waren trotzdem erfolgreicher.

Platz 4: E-Klasse
4 von 7

Die E-Klasse belegt mit 304.000 verkauften Fahrzeugen den vierten Platz in der Rangliste der meistverkauften Daimler-Fahrzeuge. Weitere Auszeichnung: Fünf Sterne beim Euro NCAP-Rating für Sicherheit. Der Absatz ging gegenüber dem Vorjahr ging trotzdem um ein Prozent zurück.

Platz 3: A-/B-Klasse
5 von 7

Den Auftakt der Plätze eins bis drei macht die A- und B-Klasse von Mercedes. Der Absatz im Vergleich zum Vorjahr stieg um 2 Prozent auf 435.000 verkaufte Fahrzeugen. 2016 baute Mercedes das Zubehörprogramm für die A-Klasse aus und lässt sie dadurch sportlicher wirken.

Patz 2: C-Klasse
6 von 7

Die C-Klasse wurde 490.000 Mal verkauft und liegt damit auf Platz zwei. Nicht ohne Grund: Seit Sommer ist das erste Cabriolet auf der Basis der C-Klasse bestellbar. Der Absatz legte im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zu. Doch ein anderes Fahrzeug-Modell ist noch beliebter.

Platz 1: SUVs
7 von 7

Die Mercedes-SUVs waren 2016 die meistverkauften Autos im Konzern. Die Beliebtheit dieser Klasse stieg dabei stark an. Deswegen konnte Mercedes schon im August des vergangenen Jahres das erste Jubiläum feiern: Der 4-millionste SUV wurde ausgeliefert. Der Absatz lag 2016 mit 712.000 Fahrzeugen um 31 Prozent höher als noch im Vorjahr.

Kurz vor Beginn der Automesse IAA stellte nach BMW damit auch Daimler neue Pläne zum Ausbau der Elektromobilität vor. So soll der Stadtflitzer Smart ab 2020 in Europa und den USA nur noch mit Batteriebetrieb angeboten werden. „Smart wird bis 2020 die erste Marke ausschließlich mit Elektroantrieb“, sagte Zetsche.

Bis 2022 sollten zudem sämtliche Mercedes-Modelle, insgesamt mehr als 50, mit elektrifizierten Antrieben aller Varianten angeboten werden, also als reine Elektroautos oder Hybride, die rein elektrisches Fahren auf kurzen Strecken mit Benzin- oder Dieselmotor auf langen Strecken kombinieren.

Bisher plant Daimler bis 2022 mehr als zehn reine Elektroautos auf den Markt zu bringen, um bis 2025 einen Absatzanteil von 25 Prozent zu erreichen. Der Rivale aus München kündigte vergangene Woche an, bis Mitte des nächsten Jahrzehnts 25 teilweise oder ganz mit Strom fahrende Autos ins Programm zu nehmen. Ein Dutzend soll rein elektrisch sein.

Da die Batteriekosten rasch sänken, sei es möglich, bis 2025 die heute noch teureren Elektroautos zu gleichen Kosten zu produzieren wie die mit Benzin- oder Dieselmotoren, erklärte Zetsche. Dennoch werde der Autobauer dann je Auto noch nicht so viel Geld verdienen wie mit Pkw mit Verbrennungsmotoren.

Bei einzelnen Modellen sei der Gewinnbeitrag nur halb so hoch wie bei den Fahrzeugen, die die Elektroversionen ersetzten, erklärte Lindenberg. Deshalb sollen Autos mit Benzin- oder Dieseltank auch nicht so bald aus dem Angebot verschwinden. „Verbrennungsmotoren bleiben über längere Zeit das Rückgrat für die CO2-Ziele und auch unsere Finanzstärke“, sagte Zetsche.

Die Zeit ist reif für einen Elektro-Lkw – zumindest ein bisschen
Maue Aussichten beim Lkw
1 von 11

Elektroautos sollen die Basis für den Verkehr der Zukunft bilden – so viel ist klar. Ob der Strom dabei aus einer Batterie oder einer Brennstoffzelle kommt, ist zweitrangig. Hauptsache CO2-neutral. Das Problem: Autos stehen nur für einen Teil des Straßenverkehrs. Während bereits einige wenige Elektro-Motorräder und -Roller unterwegs sind, sieht es an einer anderen Front bislang eher mau aus: bei den Lkw.

Mercedes-Benz eTruck
2 von 11

Mit dem Elektro-Lastwagen zeigte Daimler im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA, wie man sich einen Elektro-Truck vorstellt – und das in einer seriennahen Form.

Bahn frei für die Elektrifizierung
3 von 11

„Bislang war der Einsatz von Elektroantrieben im Lkw extrem limitiert. Mittlerweile entwickeln sich Kosten, Leistung und Ladedauer so rasant weiter, dass wir für den Verteilerverkehr jetzt eine Trendwende sehen: Die Zeit ist reif für den Elektro-Lkw“, sagt Daimler-Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard. „Mit dem Mercedes-Benz Urban eTruck elektrifizieren wir jetzt den schweren Verteilerverkehr bis 26 Tonnen.“ Zwischenstufen wie Plug-in-Hybride will Bernhard aber auslassen – der Markt für Nutzfahrzeuge unterteile sich klar in die beiden Bereiche Fernverkehr und Verteilerverkehr – für den einen den Diesel, für den anderen der Elektro-Truck. Mischformen wie bei den Pkw-Kollegen gebe es laut Bernhard kaum.

Der Diesel bleibt
4 von 11

Das Stichwort ist hier Verteilerverkehr: Die Langstrecken-Trucks auf der Autobahn werden also vorerst weiterhin mit Diesel fahren. Hier reichen die Batterien noch nicht aus. Der Urban eTruck bietet bei einer mit dem Diesel vergleichbaren Nutzlast eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern bei voller Nutzlast – was laut Daimler für den innerstädtischen Transport ausreicht. „In Städten können Elektro-Lkw in naher Zukunft Realität werden“, sagt Bernhard.

Gegen Dreck und Lärm
5 von 11

Die Herausforderung: Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Stadt, bis 2050 werden laut der UN 70 Prozent der Weltbevölkerung in Großstädten leben – und müssen entsprechend mit Gütern versorgt werden. Zugleich werden aber die Grenzwerte für Luftqualität und Lärmpegel immer strenger, die Einfahrrestriktionen immer größer. „Metropolen wie London oder Paris erwägen inzwischen, künftig Verbrennungsmotoren aus den Stadtzentren zu verbannen“, so Bernhard. „Das bedeutet: in Zukunft werden dort vollelektrische Lkw die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen.“ Oder wie Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks hinzufügt: „Dann ist nicht nur der Apfel im Supermarkt bio, sondern auch der Transport dahin.“

Neue Batteriezellen als Durchbruch
6 von 11

Bis vor Kurzem waren vollelektrische Lastkraftwagen beinahe undenkbar: Die Batterien waren zu groß und zu teuer, die Reichweite viel zu gering. Möglich wird der Elektro-Lkw jetzt durch bessere Batteriezellen: Daimler Trucks erwartet, dass die Kosten für die Batterien eines vollelektrischen Lkw von 1997 bis 2025 um den Faktor 2,5 sinken werden – von 500 Euro/kWh auf 200 Euro/kWh. Gleichzeitig steigt die Leistung in diesem Zeitraum um den gleichen Faktor von 80 Wh/kg auf 200 Wh/kg.

Neuer Antrieb, neue Achse
7 von 11

Basis für den Urban eTruck bildet ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw von Mercedes. Bei der Karosserie ist der eTruck kaum von einem Diesel-Lkw zu unterscheiden – wenn der Aufbau montiert ist. Denn ohne die Transportbox wird das neue Antriebskonzept sichtbar. An die Stelle des konventionellen Antriebsstrangs tritt eine elektrisch angetriebene Hinterachse mit Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben. Die neue Achse wurde abgeleitet aus der E-Achse des Mercedes-Benz Citaro Hybrid Busses.

Die Einsparungen sollen unter anderem über geringere Ausgaben für Forschung und Entwicklung im kommenden Jahrzehnt realisiert werden, auch wenn die in den nächsten Jahren nach Worten von Forschungschef Ola Källenius noch steigen werden. Der Löwenanteil der Kostensenkungen will Mercedes-Benz jedoch über die Produktion und Fixkosten hereinholen.

So will der Stuttgarter Autobauer bei Elektroautos noch weniger selbst herstellen als bei den konventionell angetriebenen. Damit ist ein Konflikt mit dem Betriebsrat programmiert, denn der will mehr Arbeiten von Zulieferern ins eigene Haus holen. Damit soll Stellenabbau, der auf längere Sicht bei der Umstellung auf die viel weniger arbeitsintensiven Elektroautos unvermeidlich ist, gebremst werden.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: E-Auto-Pläne von Daimler - Smart soll rein elektrisch fahren

0 Kommentare zu "E-Auto-Pläne von Daimler: Smart soll rein elektrisch fahren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%