E-Bikes kommen in Mode
Deutsche Rad-Hersteller haben Nischen gefunden

Fahrrad-Hersteller haben es nicht leicht in Deutschland, der Preisdruck ist hoch. Doch es gibt eine Reihe von Unternehmen, die für sich erfolgreiche Nischen erobert haben: Zum Beispiel Fahrräder mit Elektromoter oder Drahtesel für Übergewichtige.

KÖLN. Mit einem Satz heiße Ohren begann die Unternehmensgeschichte von Riese und Müller, einem der jüngsten deutschen Fahrradhersteller. Denn im Winter 1992 fror Markus Riese bei einer Radfahrt zur TH Darmstadt an den Ohren. Das verdarb dem Maschinenbauer und leidenschaftlichen Radler die Laune, und er beschloss, Abhilfe zu konstruieren. Zusammen mit Studienfreund Heiko Müller entstanden die Hot Ears, weiche und warme Fleece-Ohrenwärmer, die sich direkt am Fahrradhelm befestigen lassen.

In Deutschland sind selbst in der reifen Fahrradbranche noch erfolgreiche Unternehmensgründungen möglich: Als Garagenfirma 1993 gegründet, liegt der Ursprung der Darmstädter Riese und Müller zwar im Vertrieb der Ohrenwärmer. Doch die Tüftler wagten sich auch an innovative Zweiräder: Als erstes Fahrrad wurde das Faltrad Birdy produziert, für dessen Prototyp die Hersteller 1993 den "Hessischen Innovationspreis" der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft in Wiesbaden erhielten. Durch eine Kooperation mit dem taiwanischen Fahrradhersteller Pacific Cycles, der den Aufbau der Produktion finanzierte, konnten im Lauf der Jahre weitere Modelle entwickelt werden. Von da an radelte das Unternehmen bergauf. Auf der Kölner Fahrradmesse Ifma stellen sie ihre "Hybrid-Flotte" vor - Fahrräder mit Hilfsmotor. Darunter findet sich auch das Birdy: Motor in der Hinterradnabe, Akku in einer speziellen Lenkertasche. Riese und Müller reagiert auf die neue Mode der E-Bikes, Fahrräder mit Elektro-Hilfsmotor. "Wir gehören mit 30 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund sieben Mill. Euro zwar nicht zu den ganz großen, aber zu den besonders innovativen Unternehmen der Branche", meint Markus Riese.

Der Trend zum Fahrradfahren ist ungebrochen und erfährt durch steigende Spritpreise und die Fitness-Mode derzeit einen Boom. Davon profitieren Fachhandel und Hersteller gleichermaßen. Die Markenvielfalt in Deutschland ist allerdings groß.

Seit den achtziger Jahren hat sich der Markt stark gewandelt. Viele Unternehmen sind verschwunden oder sind in anderen aufgegangen, wovon nur noch ihre Marken berichten. Die Konsolidierung hält an. Inzwischen haben sich in südostasiatischen, nordamerikanischen und osteuropäischen Staaten neue Schwerpunkte der Fahrradherstellung herausgebildet. Westeuropäische und nordamerikanische Markenhersteller lassen ihre Modelle teilweise oder insgesamt in Taiwan sowie anderen ostasiatischen und osteuropäischen Staaten herstellen. Die Rahmen kommen fast ausschließlich aus Taiwan, wo sie von Robotern an Montagestraßen geschweißt werden.

In Deutschland werden fast nur noch Spezialserien produziert, etwa für schwergewichtige Radfahrer. Normale Rahmen halten in der Regel nur einem Gewicht von 120 Kilogramm stand. Sonderserien baut Derby Cycle aus Cloppenburg, der sich als Deutschlands größter Fahrradhersteller bezeichnet. "Wir liegen mit unserem Umsatz deutlich über dem des einzigen börsennotierten deutschen Herstellers, Mifa aus Thüringen", sagte Geschäftsführer Mathias Seidler - ohne aber Zahlen zu nennen.

Derby Cycle dagegen hat sich auf hochwertige Markenprodukte spezialisiert. "Erzielten wir um die Jahrtausendwende noch 50 Prozent des Umsatzes mit Handelsmarken, sind es heute null Prozent", beschreibt Seidler den Strategiewechsel. Marken von Derby Cycle sind Focus für Rennräder und Mountainbikes, Kalkhoff für Freizeit-, Trekking- und Cityräder sowie Rixe.

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