E-Mobilität
Volkswagen will China elektrisieren

Volkswagen prescht nach einigem Zögern bei der E-Mobilität vor. Wachstumstreiber soll China sein. 2025 wollen die Wolfsburger dort jährlich 1,5 Millionen E-Autos verkaufen. Pekings Vorgaben könnte VW trotzdem verfehlen.
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Peking/DüsseldorfSeit Jahren beschwört die chinesische Regierung den Ausbau der Elektromobilität im Land. Doch internationale Autobauer wie Volkswagen zögerten lange. Dann machte Peking üppige Kaufprämien locker, aber die Großen der Autobranche warteten trotzdem mehrheitlich ab. Jetzt stellt die Volksrepublik ihre Strategie um: Die Subventionen werden zurückgefahren – dafür sollen die Autobauer gezwungen werden, den Anteil von Elektroautos an ihrem Verkaufen zu steigern.

Volkswagen will sich an die Spitze der Entwicklung stellen. Mit fast vier Millionen Pkw hat der Konzern im vergangenen Jahr in China mehr Autos als jeder andere verkauft. Aber beim Thema E-Mobilität hängt VW weit zurück. Die Wolfsburger haben noch kein einziges Elektroauto im Angebot, das in China produziert wird, und dadurch in den Genuss von Zuschüssen kommen kann.

Volkswagens China-Vorstand Jochem Heizmann kündigte am Donnerstag in Peking an, dass die Wolfsburger 2020 rund 400.000 E-Autos und Hybride, also Fahrzeuge mit Batterie und Verbrennungsmotor, in der Volksrepublik verkaufen wollen. Fünf Jahre später sollen es sogar 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge sein. „China wird der größte Markt für Elektromobilität – mit Abstand“, sagte Heizmann. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre will VW 15 lokal produzierte Modelle auf den Markt bringen.

Der Elektrovorstoß gilt global. VW-Konzernchef Matthias Müller hatte im September auf dem Autosalon in Paris gesagt: „Bis 2025 werden wir mehr als 30 neue Elektrofahrzeuge entwickeln und bauen.“ Markenchef Herbert Diess hatte im November in Wolfsburg für die Marke Volkswagen nachgelegt: „Bis 2025 wollen wir eine Million Elektroautos pro Jahr verkaufen und Weltmarktführer in der Elektromobilität sein.“

Geht die Rechnung von Heizmann auf, könnte sich der Konzern global auch noch höhere Ziele setzen. Doch sein Vorstoß ist nicht nur vom Glauben an Chinas E-Markt getrieben. Die Vorgaben der Regierung zwingen ihn zum Umdenken. Das Technologieministerium hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Autobauer schon im kommenden Jahr verpflichten könnte, rund acht Prozent ihres Absatzes mit E-Autos zu bestreiten. 2020 sollen es sogar zwölf Prozent sein.

In dem komplexen Berechnungssystem werden reine E-Autos mehr gezählt als Hybridfahrzeuge. Klar ist: VW ist von diesen Zahlen weit entfernt. Wer unterhalb der Zielquoten bleibt, muss ähnlich wie beim Handel mit Emissionsrechten Bonuspunkte von Firmen abkaufen, die oberhalb der Ziele liegen. VW könnte gezwungen werden, größere Summen an chinesische Konkurrenten wie den Autobauer BYD zu überweisen.

„Es ist eine Herausforderung“, sagte Heizmann über die geplanten Quoten. Der Autobauer sei mit der chinesischen Regierung im Gespräch, um die Auswirkungen abzumildern. Zu geringe Absatzzahlen könnten etwa als Schulden in den darauffolgenden Jahren „abbezahlt“ werden, schlug Heizmann als möglichen Kompromiss vor.

Der deutsche Botschafter in China hatte mit Verweis auf die Autoquoten und andere Regeln bereits vor einem „ökonomischen Nationalismus“ in Peking gewarnt. Heizmann sagte jedoch: „Wir fühlen uns im Moment nicht benachteiligt.“ Schließlich sei VW Markführer. „Wir verdienen ordentliches Geld.“ Ein Marktführer habe immer mit schärferem Wettbewerb zu kämpfen. Das sei normal.

Nach Rekordverkäufen im vergangenen Jahr stellt sich der Autobauer 2017 auf moderatere Zuwachsraten ein. Im Jahresdurchschnitt peilt die Gruppe ein Wachstum in einer Größenordnung von fünf Prozent an, wie Heizmann erklärte. Diese Zuwachsrate liegt zwar deutlich unter dem Wachstum von 2016, als VW in China mehr als zwölf Prozent zugelegt habe. Die Aussichten seien aber weiterhin „extrem positiv“.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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