EADS / Airbus
Airbus-Chef Enders hängt in der Luft

Trotz einer Folge von Pleiten hat Thomas Enders beim Flugzeugbauer Airbus einiges erreicht: Die heute präsentierten Zahlen überraschten die Börse positiv. Doch das wird nicht zählen, wenn er das größte Problem nicht bald in den Griff bekommt: das Militärflugzeug A400M.

PARIS UND MÜNCHEN. Eine Bühne, ein Tisch, darauf ein Gegenstand, der von einem schwarzen Tuch verhüllt ist. Der größte Mann auf dem Podium freut sich, seine Augen blitzen, Showtime!

Als Enders das Tuch wegzieht, kommt eine kleine Glaskugel zum Vorschein, durch die Blitze zucken, wenn er die Finger darauflegt. "So", sagt Enders mit gespielter Feierlichkeit, "jetzt wollen wir mal sehen, wie viele Bestellungen bei Airbus in diesem Jahr eingehen werden."

Der Chef ist in Form. So lustig wie auf der Jahrespressekonferenz Ende Januar im Airbus-Auslieferungszentrum in Toulouse ging es lange nicht zu im Hause Airbus. Doch Thomas Enders, seit nun fast zwei Jahren Airbus-Chef, kann Humor derzeit gut gebrauchen. Es ist ein Schicksalsjahr für den Flugzeughersteller, für den Mutterkonzern EADS und auch für Enders. Wie sehr, darauf wird es schon heute neue Hinweise geben, wenn EADS in München Bilanz zieht und eine Voraussage abgibt, was von dem Konzern in den nächsten Monaten zu erwarten ist.

Die nackten Zahlen werden wohl gut sein: Nach einem Verlust von 446 Millionen Euro im Jahr 2007 dürfte dem Konzern im vergangenen Jahr der Boom der gesamten Branche genutzt haben. Analysten rechnen mit einem Nettogewinn von über einer Milliarde Euro. Gefährlich aber sind die Entwicklungen, über die die Zahlen bisher noch keinen Aufschluss geben: die Turbulenzen, die nun warten. Der internationale Lufttransport-Verband IATA rechnet damit, dass die Airbus-Kunden, die Fluglinien, in diesem Jahr wegen der Krise einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar schreiben werden. Selbst solide finanzierte Gesellschaften wie Air France fangen an, Flugzeuge abzubestellen, wenn auch zunächst nur bei Konkurrent Boeing. Vorsorglich kürzt Airbus seine Produktion.

Und der Markt ist nur ein Teil des Problems, das Unternehmen hat genügend interne Schwierigkeiten. Auch zu denen wird sich EADS heute äußern müssen, wenn der Konzern die Bilanz vorstellt.

Der Militärairbus A400M, der drei Jahre dem Zeitplan hinterherhinkt. Der Superairbus A380, dessen Produktion und Auslieferungsplan vielleicht nicht einzuhalten ist. Die Entwicklung des neuen Langstreckenflugzeugs A350, dessen Finanzierung in Höhe von zehn Milliarden Euro noch nicht geklärt ist. Enders ist jetzt in jeder Hinsicht verantwortlich.

Er hat einige problematische Geschäftsbereiche an sich gezogen, und er versucht sich in Gelassenheit. Nach der Pressekonferenz in Toulouse bleibt er noch eine Weile im Saal und diskutiert mit Journalisten. "Ruhig und zuversichtlich" sei er. Entschlossen offenbar auch.

Er ist seit dem Glaskugel-Auftritt in Toulouse nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, hat aber einige weitreichende Entscheidungen gefällt. So verordnete er der Problemtochter Airbus Military, die die A400M bauen soll, kürzlich einen neuen Chef. Mit dem alten, Carlos Suarez, lag Enders im Clinch, seit er im Dezember die EADS-Tochter Airbus Military wegen andauernder Probleme unter sein eigenes Kommando gestellt hat. Es geht jetzt um Schadensbegrenzung, und zwar möglichst schnell. Denn viel Zeit bleibt Enders nicht mehr für dringend nötige Korrekturen.

Die Erstkunden - zu ihnen gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien - können ihre Bestellungen für das Militärflugzeug bis Ende des Monats noch stornieren. Und ihre insgesamt fünf Milliarden Euro Anzahlungen zurückverlangen. Enders hat zumindest eine Gnadenfrist von sechs Monaten erbettelt, um nachzuverhandeln.

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