EADS
Airbus kämpft um Platz in US-Luftfahrt-Lobby

Der europäische Flugzeugbauer Airbus kämpft um eine Mitgliedschaft im mächtigen Verband der US-Luftfahrtindustrie. Doch die Lobby-Gruppe wehrt sich – auch aus Angst vor ausländischem Einfluss auf die US-Rüstungspolitik.
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WashingtonDie Muttergesellschaft EADS habe das Recht auf einen Platz im Verband der US-Luftfahrtindustrie, heißt es bei Airbus. Als Begründung für ihre Forderung nach Zugehörigkeit zu der Lobby-Gruppe führen die Europäer an, dass Airbus in seinen US-Fabriken Tausende Arbeiter beschäftige und selbst der größte Exportkunde der Branche sei.

Doch mit dieser Forderung beißt der Konkurrent des US-Flugzeugherstellers bei dem traditionsreichen Branchenverband AIA auf Granit. Die Mitgliedschaft sei nur Unternehmen ohne ausländische Staatsbeteiligung vorbehalten, betonte AIA-Chefin Marion Blakey am Dienstag.

„Unser Ziel ist es, die Interessen der US-Industrie zu vertreten“, sagte Blakey der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei nicht akzeptabel, dass andere Länder über ihre Lobby-Gruppe Einfluss auf die Washingtoner Regierung bekämen. EADS gehört zu 15 Prozent Frankreich, während Deutschland die Übernahme von bis zu zwölf Prozent an EADS vorbereitet. Blakey fügte hinzu: „Vergessen sie nicht, dies ist die Aerospace Industries Association of America.“ Der Verband gehe schließlich auf US-Luftfahrtpioniere wie Orville Wright zurück, die die AIA vor schon fast hundert Jahren gegründet hätten.

Der Verband setzt sich in der US-Regierung für Ausgaben ein, die in der Luftfahrtindustrie Arbeitsplätze sichern und neue Technologien voranbringen sollen. Auch über Rüstungsprojekte spricht die AIA regelmäßig mit Vertretern aus Washington. Analysten zufolge haben Airbus und Boeing bei vielen Themen wie Flugsicherheit und Luftverkehrsmanagement dieselben Interessen.

Für Airbus wäre die AIA-Mitgliedschaft eine Möglichkeit, seine Präsenz in den USA zu stärken und den erbitterten Streit um Aufträge für Tankflugzeuge zu den Akten zu legen. Auch könnten Handelskonflikte mit Boeing in einem anderen Licht erscheinen.

Airbus wies Befürchtungen zurück, europäische Staaten könnten durch die AIA in Washington Einfluss in sensiblen Fragen wie der Rüstung gewinnen. Schließlich hätten die Europäer ausreichend diplomatische Kanäle zur Verfügung, um ihre Positionen zu vertreten, sagte der Chef von Airbus Americas, Barry Ecclestone.

Airbus erfülle sämtliche Bedingungen für eine AIA-Mitgliedschaft, die Ablehnung sei nicht nachvollziehbar. „Wir kaufen jährlich für zwölf Milliarden Dollar Sachen von US-Luftfahrtunternehmen, von denen praktisch alle Mitglieder in Marions Organisation sind“, fügte Ecclestone hinzu. Reuters sprach getrennt mit Ecclestone und AIA-Chefin Blakey.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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