EADS-Anteile
Daimler widersetzt sich Merkels Drängen

Das Management von Daimler-Chrysler ist sauer auf die Politik: Der deutsch-amerikanische Autobauer fühlt sich beim Thema Verkauf von EADS-Anteilen unter Druck gesetzt. Die Manager wollen ihre Anteile nicht zu billig veräußern - beim Wunschmodell von Kanzlerin Angela Merkel wäre das aber der Fall.

HB STUTTGART/BERLIN. „Es gibt überhaupt keinen Zeitdruck, das Aktienpaket zu verkaufen. Der Druck wird völlig unbegründet von der Politik auf Daimler ausgeübt, was uns ziemlich verärgert“, sagte ein hochrangiger Daimler-Chrysler-Manager dem Handelsblatt. Die Politik habe ein Problem erzeugt, für das sie verzweifelt eine Lösung suche. Die Bundesregierung wies die Kritik zurück. „Alle Überlegungen werden nur gemeinsam angestellt“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm dem Handelsblatt.

Derzeit laufen intensive Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und Daimler-Vorstand Rüdiger Grube über eine Auffanglösung für ein Paket von 7,5 Prozent der EADS-Aktien. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte auf der Hauptversammlung im Frühjahr auf Druck von Analysten angekündigt, seinen EADS-Anteil von 22,5 auf 15 Prozent zu reduzieren, um diese „Risikoposition“ abzubauen. Dabei wurden aber keinerlei Fristen genannt.

Auslöser für das plötzliche Interesse der Politik waren drei Entwicklungen: der Einstieg eines russischen Investors, die Sorge vor einem französischen Übergewicht in dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern sowie das anstehende Sanierungsprogramm bei Airbus. Politiker aus Bund und Ländern forderten daher, dass die 7,5 Prozent in deutscher Hand bleiben müssten, um den deutschen Einfluss zu sichern. „Es ist sicher sinnvoll, die künftige Beteilungsstruktur bei EADS sorgfältig und seriös zu prüfen, bevor die Umstrukturierung des Unternehmens beginnt“, betonte der Regierungssprecher.

Zurzeit wird über drei Modelle gesprochen – eine private Lösung, eine staatliche sowie eine Mischform. „Die politischen Kriterien sind dabei die Zuverlässigkeit der Aktionäre sowie die Stabilität der Aktionärsbasis“, betonte Wilhelm.

In den Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und Daimler-Chrysler ist in den vergangenen Tagen dabei eine Pool-Lösung mit privaten Finanzinvestoren favorisiert worden. Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen soll Daimler 7,5 Prozent der EADS-Aktien an eine neu zu gründende Gesellschaft abgeben, an der sich fünf Finanzhäuser beteiligen. Zusagen hatte die Bundesregierung bereits von der Deutschen Bank, von Commerzbank und Goldman Sachs bekommen. Die Pläne sehen vor, dass die Stimmrechte des EADS-Pakets bei Daimler verbleiben. Im Gegenzug soll sich Daimler für hohe Dividenden für die privaten Investoren einsetzen.

Dieses Modell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Treffen Daimler-Vorstand Grube erläutert. Am vergangenen Mittwoch drückten die Daimler-Manager allerdings bei den Verhandlungen auf die Bremse. Man sei nicht mit einer begrenzten Zahl von fünf Investoren einverstanden, ließ der Autobauer das Kanzleramt wissen, heißt es in Verhandlungskreisen. Offenbar haben die Finanzhäuser versucht, den Preis für das Aktienpaket von Daimler kräftig zu drücken. Der Autokonzern will aber vermeiden, die EADS-Anteile unnötig billig zu verkaufen.

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