EADS-Chairman Uebber
„Die Banken können die EADS-Aktien behalten“

Vor sechs Monaten trat Bodo Uebber, auch Finanzvorstand bei Daimler, den Posten des Chairman beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS an. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagt er, was er seitdem bewegt hat, wie es mit den kriselnden Großprojekten der Konzerntochter Airbus weitergeht und was Daimler mit seinen EADS-Aktien macht.
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Handelsblatt: Herr Uebber, Sie sind jetzt seit genau einem halben Jahr Chairman von EADS. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Bodo Uebber: EADS kenne ich ja schon aus meiner Zeit bei der DASA und seit 2007 bin ich im EADS-Board. Deshalb konnten wir in den vergangenen sechs Monaten Programme weiterentwickeln, die bereits angestoßen waren, wie etwa Fragen der Unternehmenssteuerung und der Risikokontrolle. Darüber hinaus habe ich die Zusammenarbeit mit dem EADS-CEO Louis Gallois intensiviert. Wir kommen sehr gut miteinander aus.

Die Krise erfasst nun auch die Luft- und Raumfahrtbranche: Airbus wird 2010 wahrscheinlich die Produktion kürzen, der Dollar schwächelt. Wie krisenfest ist EADS?

EADS ist widerstandsfähig. Wir haben einen sehr soliden Auftragsbestand bei Airbus; dieses Jahr peilen wir weiter bis zu 300 Neubestellungen an. Im Verteidigungsbereich sieht der Auftragsbestand stabil aus; die jüngsten Vertragsabschlüsse über Militärhubschrauber für Brasilien sowie über ein Grenzschutzsystem für Saudi-Arabien und die Eurofighter Tranche 3a werden wir bis Ende des Jahres verbuchen können. Die Liquiditätslage ist sehr gut, darauf hatten wir uns auch konzentriert. Und mit einem Ebit von über einer Milliarde Euro in den ersten neun Monaten steht EADS solide da. Dennoch werden wir uns die Situation für 2010 noch einmal genau anschauen müssen.

Also wird auf den Sparplan Power8 nächstes Jahr noch einmal draufgesattelt?

Dank unserer Effizienzprogramme, wie Power8, aber auch Power8 plus, das wir 2008 hinzugefügt haben, sowie Future EADS, das wir 2009 hinzugefügt haben, haben wir schon einiges abfedern können. Aber 2010 wird nicht einfach. Die Auslieferungszahlen von Airbus beobachten wir permanent und sehr aufmerksam. Eine umfassende Erholung bei den Airlines sehe ich im nächsten Jahr noch nicht so rasch. Daher müssen wir bei den Effizienzprogrammen weiter dranbleiben. Das heißt nicht, dass es ein neues, dramatisches Restrukturierungsprogramm geben wird. Aber die Zeiten könnten noch rauer werden. Und darauf müssen wir uns einfach vorbereiten.

Dubai ringt mit der Pleite. Wenn die Airbuskunden aus dem Golf schlingern, dürfte Airbus in arge Probleme geraten.

Dubai hat ein isoliertes Problem; die Schwierigkeiten stammen primär aus dem Immobiliensektor. Die Probleme wurden von den Nachbarn aber frühzeitig erkannt. Ich denke daher, dass die Region die Lage in den Griff bekommen wird und erwarte keine durchschlagenden Folgen für die Luftfahrt.

Sie sprachen die vollen Kassen von EADS an. Aber reicht das Geld, wenn etwa das Programm für den Militärtransporter A400M platzt? Können Sie das Risiko einer Kapitalerhöhung ausschließen?

Für uns steht jetzt im Vordergrund, in den derzeitigen A400M-Verhandlungen gemeinsam mit den Kundenstaaten bis Ende des Jahres eine Einigung zu erzielen. Bisher haben wir für die A400M-Probleme 2,4 Mrd. Euro zurückgestellt, das ist schon eine Menge Geld. Daher ist es natürlich in unserem Interesse, die Unsicherheiten zu beenden.

Wenn man die letzten Äußerungen der Bundesregierung anschaut, dann spürt man schon eine große Verärgerung gegenüber EADS wegen der zahlreichen Verspätungen. Ist das Verhältnis mit dem Kunden Bund zerrüttet?

Davon kann nicht die Rede sein. Derzeit laufen die A400M-Verhandlungen noch und darauf konzentrieren wir uns. Daher ist es sicherlich nicht der richtige Zeitpunkt, bereits mit einer Fehleranalyse zu beginnen. Wenn wir eine Einigung erzielt haben, sollten wir offen diskutieren: Was können wir aus den Fehlern lernen? Darüber müssen wir mit den Beschaffungsstellen in Ruhe und ohne Schuldzuweisungen diskutieren.

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