EADS-Chef Enders
Airbus hat Boeing „unterschätzt“

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat stürmische Wochen hinter sich: Lieferverzögerungen beim Großraumflieger Airbus A380, Kundenkritik an den Plänen für das Langestreckenflugzeug A350, Führungskrise. Einer der beiden EADS-Chefs, der Deutsche Tom Enders, beschwichtigt jetzt. Das Unternehmen sei auf Kurs. Gleichwohl räumte er schwere Versäumnisse ein.

HB STUTTGART. „Die Probleme bei Airbus heißen nicht, dass wir ein Sanierungsfall wären“, sagte Enders am Dienstagabend in Stuttgart. Airbus werde in diesem Jahr „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ wie geplant mehr als 400 Flugzeuge ausliefern. Stornierungen beim Großflugzeug A380 habe es wegen der Lieferverzögerungen bislang nicht gegeben.

Er wollte aber nicht ausschließen, dass es wegen der tiefsitzenden Probleme bei Airbus zu weiteren Verzögrungen bei Auslieferungen kommen könnte. Er wolle dafür noch die interne Prüfung abwarten, „bevor ich meine Hand dafür ins Feuer lege, dass das nicht noch mal beim A380 oder anderen Projekten passiert.“

Das Unternehmen kämpft mit Lieferverzögerungen bei seinem Prestigeprojekt und hatte Mitte Juni angekündigt, die Auslieferung des größten Passagierjets der Welt um sechs bis sieben Monate verschieben zu müssen. Am Langstreckenflugzeug A350 übten zudem die Kunden massive Kritik. Nach wachsendem Druck waren der bisherige Airbus-Chef Gustav Humbert und der Co-Chef des Mutterkonzerns EADS, Noël Forgeard, zurückgetreten.

Airbus will bei A350 großen Wurf landen

Seinen Konkurrenten auf dem Markt für große Passagiermaschinen, Boeing, habe Airbus „deutlich unterschätzt“, räumte Enders ein. Dies gelte vor allem für dessen Langstreckenflugzeug 787. Für den so genannten Dreamliner liegen bereits hunderte Bestellungen vor, während sich die Leasing- und Fluggesellschaften beim A350 zurückhalten. Airbus müsse das eigene Modell deshalb überarbeiten. „Der erneuerte A350 muss der letzte Wurf sein“, forderte der EADS-Co-Chef. Airbus lasse sich dabei nicht unter Zeitdruck setzen – auch nicht von Terminen wie etwa der in der kommenden Woche beginnenden Luftfahrtschau in London. Airbus wolle keinen „Schnellschuss“ machen und ein leistungsfähigeres Flugzeug bauen als die Boeing 787.

Verzögerungen bei den zugesagten Lieferterminen seien in der Branche „kein Kavaliersdelikt“, sagte Enders. „Wir müssen zurück zur Pünktlichkeit.“ Der Vertrieb werde künftig enger mit den Ingenieuren verdrahtet. Neue Modell trügen jedoch immer das Risiko von Lieferverzug in sich. „Generell gilt, dass nicht eine frühe Auslieferung am Markt zählt, sondern ein überlegenes Produkt“, gab Enders die Richtung vor. Beim Auftragseingang habe Boeing im ersten Halbjahr 2006 zwar „die Nase vorn“, sagte er. Airbus strebe jedoch nicht um jeden Preis Zuwächse beim Auftragseingang an und könne im weiteren Jahresverlauf noch aufholen.

Im ersten Halbjahr gingen bei Airbus 117 Flugzeugbestellungen ein. 2005 hatte diese Zahl im gleichen Zeitraum bei 276 gelegen. Damit fiel Airbus erstmals seit fünf Jahren bei den Bestellungen hinter Boeing zurück. Die US-Amerikaner verbuchten vom 1. Januar bis zum 5. Juli 480 Bestellungen.

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