EADS-Chef sieht die Flugzeugbau-Tochter auf Jahre hinaus vor dem großen US-Rivalen
Airbus zieht an Boeing vorbei

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS spürt Oberwasser: „Wir werden in den kommenden sechs bis acht Jahren bei Zivilflugzeugen die Nase vor Boeing haben“, sagte EADS-Co-Vorstandschef Rainer Hertrich in München. Mit der Auslieferung von 300 Jets wird die wichtigste EADS-Konzerntochter Airbus den Rivalen Boeing (280) in diesem Jahr erstmals überflügeln.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Bis 2007 werde der EADS- Konzern seinen Umsatz von 30 auf 40 Mrd. Euro steigern und dabei zweistellige operative Margen erzielen, kündigte Hertrich an.

Die Aktie reagierte auf die forschen Prognosen mit einem Anstieg um 4 % auf mehr als 20 Euro. Damit hat der EADS-Börsenkurs seit Ende Juli um mehr als 50 % zugelegt – zu deutlich, wie Analyst Nils Machemehl von M.M. Warburg glaubt: „Die überzeugenden News der vergangenen Monate werden sich weniger deutlich im Ergebnis niederschlagen, wie es der Kursanstieg vorgibt“, sagte er und empfahl die Aktie mit einem Kursziel von 15 Euro zum Verkauf. Boeing wollte die Prognosen des europäischen Wettbewerbers nicht offiziell kommentieren.

Der Optimismus bei EADS stehe nicht in Zusammenhang mit dem Führungswechsel bei Boeing, versicherte Hertrich. Die Tochter Airbus, die den Löwenanteil der EADS- Gewinne beisteuert, habe mit dem neuen Großraumjet A 380 schlicht die bessere Produktpalette. Zudem habe der A 330 die Konkurrenzmodelle 757 und 767 verdrängt. „Boeing hat die Innovation unterschätzt, und dieser Fehler ist schon länger her“, sieht sich Hertrich in der Produktpolitik bestätigt.

Im Zuge eines umstrittenen Militärauftrags waren zuletzt Boeing-Finanzchef Mike Sears und Vorstandschef Phil Condit wegen des Vorwurfs unsauberer Geschäftspraktiken zurückgetreten. Von den Turbulenzen bei Boeing könne EADS allerdings kaum profitieren, glaubt Hertrich. Der Wechsel an der Konzernspitze werde den Rivalen wohl eher stabilisieren: „Boeing ist nicht tot und nie zu unterschätzen“, warnte Hertrich.

Hohes Entwicklungsrisiko

Mit dem neu konstruierten Passagierjet 7E7 Dreamliner will der US-Konzern die Betriebskosten im Vergleich zur Boeing 757 um 20 % drücken und damit ab 2008 wieder Marktanteile gegen Airbus zurückgewinnen. Der EADS-Chef bezweifelt allerdings, dass die Amerikaner den Jet bis 2008 auf den Markt bringen können: „Beim Dreamliner ist ein Stück Realismus angesagt“, betonte Hertrich. Es sei ein hohes Entwicklungsrisiko, alle neuen Technologien in einem Modell erstmals einsetzen zu müssen. Boeing investiert nach Brancheninformationen 6 bis 8 Mrd. $ in den Jet – verglichen mit den gut 10 Mrd. Euro, die Airbus in seinen Riesenvogel A 380 investiert.

In den beiden kommenden Jahren rechnet der EADS-Chef allerdings weiterhin nur mit der Auslieferung von 300 Jets: „Unsere Flugzeuge heben ab, wir nicht“, versuchte Hertrich die selbst entfachte Euphorie zu dämpfen. Vor den Anschlägen des 11. September 2001 wurden auf dem Weltmarkt jährlich noch 900 Jets verkauft; 2003 werden es nicht mal mehr 600 sein. Boeing hat die Krise weit härter getroffen, weil der US-Konzern die Produktion von einst 570 Flugzeugen auf nunmehr 280 Jets herunterfahren musste. Airbus musste indes nur die geplante Steigerung von 300 auf 450 Flugzeuge abbrechen. Hertrich bezeichnete es deshalb als „große unternehmerische Leistung“, dass Boeing trotz des herben Einbruchs nach wie vor Gewinne ausweise.

Um vom zyklischen Geschäft mit Passagierjets unabhängiger zu werden, versuchen Boeing und EADS, ihre Militärsparten zu stärken. Die Europäer, die bis 2005 ihren Militärumsatz von 6 auf 10 Mrd Euro steigern wollen, konnten zuletzt mehrere milliardenschwere Großaufträge an Land ziehen.

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