EADS
Ermittlungsverfahren gegen Forgeard

Die Untersuchungen gegen den ehemaligen Co-Chef des EADS-Konzerns laufen weiter: Die französische Justiz hat gegen Noël Forgeard ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandels eingeleitet. Ein zweiter Vorwurf wurde allerdings fallengelassen.

HB PARIS. Nach 35 Stunden im Polizeigewahrsam sei der langjährige Airbus-Chef am Donnerstagabend unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden, berichtete der Radiosender weiter unter Berufung auf Forgeards Anwalt. Bedingung sei auch die Zahlung einer Kaution.

Forgeard hatte EADS-Aktien mit Millionengewinn verkauft, bevor im Juni 2006 die Probleme bei der Fertigung der Airbus A380 bekanntgegeben wurden und der Aktienkurs einbrach. Der frühere Top-Manager hat bislang öffentlich stets jeden Verdacht eines Insiderdeliktes von sich gewiesen.

Die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens bedeutet in Frankreich noch keine Anklage und muss daher auch nicht zwingend zu einem Prozess führen. Wie Forgeard stehen die Großaktionäre Lagardère und Daimler sowie die Hälfte der aktuellen Konzernführung unter Insiderverdacht, darunter der jetzige Airbus-Chef Thomas Enders, sein Stellvertreter Fabrice Brégier und Finanzchef Hans Ring. -Peter Sie sollen frühzeitig von Problemen beim Prestigeprojekt A380 gewusst und dieses Wissen für Insidergeschäfte genutzt haben. Alle Verdächtigen haben Aktienoptionen eingelöst, bevor die A380-Schwierigkeiten bekannt gegeben wurden. Als die Nachricht die Märkte erreichte, stürzte der EADS-Aktienkurs um 26 Prozent ab.

Die Finanzpolizei ermittelt seit November 2006. Sollte Forgeard auspacken, könnte es für Enders eng werden, schätzen Experten. Beide lieferten sich an der EADS-Spitze einen erbitterten Machtkampf. Forgeard hat wie alle anderen betroffenen Parteien jede Schuld zurückgewiesen.

Der ehemalige deutsche Airbuschef Gustav Humbert ist derweil wegen Verdachts auf Insiderhandel in Polizeigewahrsam genommen worden. Humbert wies die gegen ihnerhobenen Vorwürfe zurück. Die Polizei kann ihn ohne Haftbefehl bis zu 48 Stunden festhalten.

Nach Angaben seiner Anwälte wird Humbert die Gelegenheit nutzen, um darzulegen, dass die Verdächtigungen gegen ihn nicht haltbar sind, wie die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Dienstagausgabe berichtete. Er habe ein Interesse daran, auszusagen. Vor einem Monat war bereits der frühere EADS-Co-Chef Noel Forgeard für zwei Tage in Polizeigewahrsam genommen worden. Vor einer Woche wurde der frühere Generaldirektor des Konzerns, Jean-Paul Gut, zwei Tage verhört. Gegen beide wurden formelle Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft geht seit zwei Jahren dem Verdacht des Insiderhandels bei EADS nach, in ihrem Visier ist auch der derzeitige Airbus-Chef Thomas Enders. Die Manager sollen Ende 2005 und Anfang 2006 massiv Aktien verkauft haben, bevor die Öffentlichkeit über die dramatischen Lieferverzögerungen beim Superjumbo A380 informiert wurde und der Kurs abstürzte. Auch die Hauptaktionäre Daimler und Lagarde stehen unter Verdacht, sich mit Insiderwissen von Aktienpaketen getrennt zu haben. Alle Beschuldigten haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass auch der ehemalige Stefan Zoller, der Leiter der EADS-Verteidigungssparte, mit einer Vorladung rechnen muss.

Der Konzern lehnt eine Stellungnahme zu dem Thema bislang ab. "Es gibt eine absolute Regel: die Unschuldsvermutung", sagte Konzernchef Louis Gallois dem Magazin "Point". Die Betroffenen hätten sein "volles Vertrauen". Gallois bezeichnete es als eine seiner Aufgaben, "dafür zu sorgen, dass die betroffenen Führungskräfte ihre ganze Autorität" behielten.

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