EADS
Insider-Dossier sorgt für Entrüstung

Die französische Börsenaufsicht ermittelt gegen 17 führende Manager sowie die Unternehmen Daimler und Legardére. Die Beteiligten weisen die Vorwürfe zurück - von personellen Konsequenezen ist vorerst keine Rede.

BERLIN/MÜNCHEN/PARIS. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat gestern bestätigt, dass der Autokonzern am Dienstagabend über die Insidervorwürfe der französischen Börsenaufsicht AMF informiert worden sei. Die AMF ermittelte im Zusammenhang mit einer Gewinnwarnung beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS im Jahr gegen 17 führende Manager sowie die Unternehmen Daimler und Lagardère. Laut AMF sind diese Manager "ihrer Pflicht zum Verzicht auf Ausübung der Aktienoptionen nicht nachgekommen", wie das die allgemeinen Regeln der französischen Börsenaufsicht vorschreiben.

Für große Aufregung sorgt die Tatsache, dass die Beschuldigten erst nach einer Veröffentlichung von Teilen des AMF-Dossiers im Internet in Kenntnis gesetzt wurden. Airbus -Chef Tom Enders sprach in Auckland von einem "nicht akzeptablen Vorgang". Auf der Daimler-Hauptversammlung in Berlin versicherte Zetsche: "Wir sind der festen Überzeugung, dass kein Insiderwissen vorlag, und die Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehren." Zetsche zeigte sich zudem "verwundert und irritiert", dass bereits Teile der Vorwürfe öffentlich geworden seien, bevor der Konzern informiert gewesen sei. Noch am Dienstagmittag hatte der EADS-Manager Stefan Zoller in München versichert, kein Schreiben von der AMF erhalten zu haben.

In dem 18-seitigen Papier heißt es unter anderem, "alle oder ein Teil der EADS-Vorstandsmitglieder und Kontrollaktionäre verfügten über drei privilegierte Informationen bevor sie selbst direkt oder indirekt auf dem Markt für EADS-Titel aktiv wurden". Das bringt der Konzern nach Einschätzung von Beobachtern in eine schwierige Lage. Nicht nur das Image leide schwer, heißt es. Die Untersuchung ist inzwischen an die Pariser Staatsanwaltschaft gegangen.

Aktionärsschützer fürchten gar, das Verfahren und ständig neue Enthüllungen könnten das Unternehmen schwächen. "So etwas belastet", sagte Michael Kunert von der Deutschen Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Die beschuldigten Manager würden von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt. Ein schneller Abschluss sei nicht in Sicht. Kunert geht davon aus, dass viele EADS-Manager nicht ungeschoren davon kommen.

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