EADS-Konzern
Börsenaufsicht entscheidet über EADS-Insidervorwürfe

Die neue Woche birgt hohe Risiken für den deutsch-französischen EADS-Konzern. Heute will das Entscheidungsgremium der französischen Börsenaufsicht AMF, das Collège, über die Insider-Vorwürfe gegen das EADS-Top-Management beraten, heißt es in übereinstimmenden französischen Presseberichten. Doch schon jetzt kursieren bei EADS wilde Spekulationen.

PARIS. Die AMF selbst wollte sich zu der laufenden Untersuchung nicht äußern. Über den Inhalt des Abschlussberichts der AMF-Ermittler drang bisher nichts nach außen. Es geht um zwei Anschuldigungen: Seit dem Jahr 2006 ermittelt die Börsenaufsicht, ob die EADS -Großaktionäre Daimler und Lagardère sowie Top-Manager von EADS in der Zeit von November 2005 und April 2006 von Insiderwissen über die Probleme des Superairbus A380 profitiert haben, als sie in dieser Periode Aktien verkauften. In einem zweiten Verfahren geht es darum, ob EADS die Märkte stets korrekt und rechtzeitig über die Probleme der A380 informiert hat. Diese zweite Ermittlung startete die AMF im Oktober 2007.

Anfang Oktober 2007 veröffentlichte die Zeitung "Le Figaro" Auszüge aus einem Zwischenbericht der AMF an die Staatsanwaltschaft. Demnach habe die AMF Hinweise für "massiven Insiderhandel" gefunden. Unter Verdacht stehen unter anderem Airbus-Chef Thomas Enders, seine Nummer zwei, Fabrice Bregier und auch Ex-EADS-Chef Noel Forgeard. Letzter ist bisher der einzige Top-Manager, der wegen der bisher unbelegten Vorwürfe seinen Job verloren hat. Auch die Großaktionäre Daimler und Lagardère werden verdächtigt. Alle Beteiligten bestreiten mit Nachdruck die Insider-Vorwürfe.

Bei der Affäre steht viel auf dem Spiel: Sollte die AMF die Insider-Vorwürfe erhärten, könnte dies Folgen für den Großauftrag für US-Tankflugzeuge haben. Die Auftragsvergabe an Northrop-Grumman und EADS fechtet Verlierer Boeing gerichtlich an. Ferner könnte die deutsch-französische Balance bei EADS in Schieflage geraten, sollten sich die Vorwürfe gegen aktive Top-Manager erhärten. Daher warnte EADS-Chef Louis Gallois die AMF bereits in einem Figaro-Interview: "Das Collège wird sich über sehr komplexe Fragen äußern müssen, die sehr schwere Folgen für EADS haben werden."

Unterdessen kursierten am Wochenende Spekulationen darüber, dass nach dem geplatzten Verkauf der deutschen Airbus-Werke an das Bremer Raumfahrt-Unternehmen OHB die staatliche KfW-Bankengruppe und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Minderheitsanteil an dem Werksverbund kaufen wollten. Einen entsprechenden Bericht des "Journal du Dimanche" dementierte am Sonntag die KfW. Airbus wollte dazu keine Stellung nehmen, und EADS-Kreise bezeichneten den Bericht als "Unsinn".

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