EADS
Pannenprojekt A400M fliegt in unsichere Zukunft

Wenige Minuten nach 10 Uhr ist am Freitag der Militärtransporter A400M zu seinem ersten Testflug abgehoben - ein Flug in eine unsichere Zukunft. Das europäische Gemeinschaftsprojekt ist viel teurer geworden als geplant. Nun muss EADS mit Deutschland, Frankreich und Spanien darüber verhandeln, wer die Zeche zahlt.
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PARIS/MÜNCHEN/BERLIN. Die Piloten tragen Helme. Und Fallschirme. Wahrscheinlich geht die kleine Platzrunde gut, die Chefpilot Edward "Ed" Strongman angepeilt hat, aber bei Testflügen ist Vorsicht stets oberste Maxime. Über eine vorgefertigte Luke im Bug der Maschine könnten Strongman und seine Crew aussteigen, wenn es doch sein muss - sollten die Motoren zum Beispiel Feuer fangen oder sollte die Maschine ins Trudeln geraten. Solche Szenarien will sich aber niemand ausmalen, wenn der neue Militärtransporter, die A400M, am Freitag zum ersten Mal in Sevilla in den spanischen Himmel aufsteigt.

Laufen die mächtigen Turboproptriebwerke, braucht das Flugzeug keine tausend Meter Startbahn. Es musste statt 37 Tonnen Fracht nur einige Menschen in die Luft wuchten. "Die A400M funktioniert fast wie ein Hubschrauber", sagt ein Airbus-Ingenieur stolz. Soll heißen: kurzer Anlauf und ab in die Luft.

Es könnte also gute Bilder geben von diesem europäischen Gemeinschaftsprojekt, Bilder, die die Verantwortlichen auch bitter nötig haben. Seht her, mit vereinten Kräften ist Europa in der Lage, das modernste Transportflugzeug der Welt zu bauen - diese Botschaft würden die Beteiligten gerne verbreiten. Denn während in Sevilla spanische, französische und deutsche Ingenieure den Erstflug mit viel Mühe stemmen, ringt der Mutterkonzern EADS mit den Regierungen in Paris, Berlin und Madrid um die Finanzierung des Wundertransporters.

Das Projekt wird mehr als fünf Milliarden Euro teurer als geplant. Das hat die Beratungsagentur Pricewaterhouse-Coopers Mitte November vorgerechnet. Tragen die klammen europäischen Regierungen die Mehrkosten nicht mit, landet das Flugzeug schon zu Weihnachten auf dem Schrottplatz der Geschichte.

Beispielloser Showdown

Ein beispielloser Showdown zwischen Europas größtem Rüstungskonzern und der europäischen Politik steht nun bevor. Je nach Ausgang könnte er auch das klägliche Ende einer europäischen Idee bedeuten. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass kein deutscher Pilot am Jungfernflug teilnimmt.

Die Situation vor dem Erstflug war jedenfalls angespannt. "Die A400M ist zu den jetzigen Vertragsbedingungen eine Mission impossible", poltert etwa Airbus-Chef Tom Enders. Er soll schließlich die bestellten 180 Maschinen zum Festpreis von 20 Milliarden Euro abliefern. So war es einst vereinbart. "Keine Konzessionen", giftet deshalb der FDP-Haushaltspolitiker Jürgen Koppelin. Und der neue Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg lässt schon mal wissen, dass er "knüppelhart" verhandeln werde.

Dabei ist die A400M noch nicht einmal fertig. Was die Welt am Freitag zu sehen bekommt, ist nichts weiter als eine nackte Basisversion. Sie wird ein bisschen fliegen und wieder landen und dann im Hangar verschwinden. Frühestens drei Jahre danach, das war die letzte Ansage von Airbus, wird die Maschine ausgeliefert werden können.

Wie es so weit kommen konnte? Die Geschichte eines industriellen Desasters hat auch viel mit der Angst vor dem Terror zu tun.

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