EADS
Presseschau: „Es bleibt ein Gefühl der Frustration"

Schluss mit der Doppelspitze: Nach zähen Verhandlungen haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS eine neue Führungsstruktur verordnet – die vom europäischen Blätterwald aber mit viel Skepsis kommentiert wird. Ein Überblick.

Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ kritisiert das Gezerre um die Posten zwischen Frankreich und Deutschland:
„EADS und die Flugzeugtochter Airbus haben einen großen Schritt nach vorn gemacht, indem sie sich von einer aufwendigen Führungsstruktur getrennt haben, die für dramatisches Missmanagement verantwortlich war. Von nun an gibt es eine Person pro Posten, was dem gesunden Menschenverstand entspricht. Dennoch bleibt ein Gefühl der Frustration. Die neue Struktur erscheint nicht als ein Abkommen unter Partnern, sondern eher als ein Waffenstillstandsabkommen zwischen verfeindeten Brüdern. Jeder Posten wurde mühsam ausgehandelt. Die Auswahl wurde letztlich von politischen Interessen bestimmt, damit vor allem das sakrosankte deutsch-französische Gleichgewicht nicht gestört wurde. Dort, wo die Kompetenz hätte entscheiden sollen, ging es letztlich um die Nationalität.“

Das „Luxemburger Wort“ wertet die Airbus-Lösung am Dienstag als einen ausgewogenen Kompromiss zwischen einem offensiven Nicolas Sarkozy und einer defensiven Angela Merkel:
„Trotz einer ganzen Reihe delikater Themen scheint ein solcher Interessenausgleich auf dem ersten deutsch-französischen Gipfel nach Sarkozys Wechsel in den Elysée geglückt zu sein: Für die Entschlackungskur in der Führungsetage der Airbus-Mutter EADS wurde im Einvernehmen ein Kompromiss gefunden: Das nicht länger tragfähige System der Doppelspitze ist zugunsten einer personell wie national ausgewogenen Lösung abgeschafft worden. Es ist in der Tat nicht länger einzusehen gewesen, warum das Joint Venture Airbus statt nach unternehmerischen weiter nach politischen Kriterien geführt werden soll. Dabei ist die Frage nach einer Ausweitung der Airbus-Beteiligung des französischen Staats vorerst vertagt worden.

Für die Zeitung „Der Bund“ aus Bern ist EADS noch lange kein normales Unternehmen:
„Im Speziellen scheint Angela Merkel für den hemdsärmeligen, draufgängerischen „Charme“ des französischen Präsidenten weit weniger empfänglich zu sein als die Mehrheit seiner Landsleute. (...) Beim deutsch-französischen Gipfel wahren beide Seiten das Gesicht. Und beide erklären Airbus zum offiziellen Sieger des jüngsten deutsch-französischen Gerangels. Letztlich aber illustriert das Seilziehen um die Reorganisation der europäischen Raum- und Luftfahrtindustrie nur, dass EADS noch längst nicht jenes „ganz normale Unternehmen“ ist, das sich Airbus-Chef Enders wünscht.“

Die „Financial Times Deutschland“ fordert die Politik auf, sich bei dem Konzern zurückzuhalten:
Deutschland und Frankreich sind nun einmal die dominierenden Anteilseigner bei EADS, als Staaten selbst oder vertreten durch die Unternehmen Daimler und Lagardère. Die angeschlagene Tochter Airbus kann zu Boeing nur dann aufschließen, wenn der Konzern endlich rein betriebswirtschaftlich geführt wird. An der Politik liegt es, EADS von politischem Einfluss frei zu halten. Fehlt dieser Wille, kann die beste Führungsstruktur nichts ausrichten.

Nach Ansicht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kommt es bei EADS vor allem auf Personen an:
(...) Trotz der Vereinfachung der Führungsstrukturen bleibt EADS ein politisches Unternehmen, in dem die Manager eben nicht so entscheiden können, wie sie es in einem privaten Konzern tun würden. Deshalb kommt es sehr darauf an, dass die bisher passable Zusammenarbeit zwischen dem künftigen alleinigen Airbus-Chef Thomas Enders und seinem Vorgesetzten bei EADS, dem Franzosen Louis Gallois, auch künftig gut funktioniert. (...) Allerdings ist eine weitere wichtige Entscheidung vertagt worden: Irgendwann wird sich die Frage der künftigen Finanzierung von EADS - und damit einer eventuellen Kapitalerhöhung - stellen. Hierzu wird zunächst wohl eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Im Umgang mit diesem Thema wird sich zeigen, wie sehr der französische Präsident tatsächlich gewillt ist, aus EADS ein „normales“ Unternehmen zu machen.

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