EADS-Umbaupläne bewilligt: Major Tom glückt das Comeback

EADS-Umbaupläne bewilligt
Major Tom glückt das Comeback

EADS bekommt die neue Aktionärsstruktur: Die nationalen Interessen sollen künftig in den Hintergrund rücken. Nach der gescheiterten Fusion sah EADS-Chef Enders wie der große Verlierer aus – nun ist er mächtiger denn je.
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AmsterdamDer Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist aus seiner Historie heraus ein politisches Unternehmen. Als Frankreich, Deutschland und Spanien ihre nationalen Rüstungskonzerne vereinten, legten sie zugleich die Basis für eine zähe Entscheidungsfindung. Die starken Aktionäre bestimmten jahrelang in kleinen Machtscharmützeln die Ausrichtung des Unternehmens. Fragen von EADS wurden häufig national beantwortet.

EADS-Chef Thomas Enders war der große Einfluss der Politik stets ein Dorn im Auge. Auch sein bisher größtes Vorhaben - die Fusion mit der britischen BAE - scheiterte am Widerstand der nationalen Interessen. Berlin, so munkelt man, habe massiv gegen die Rüstungsfusion opponiert. Enders galt als angeschlagen, insbesondere weil er bei der deutschen Bundesregierung in Ungnade gefallen war.

Dass Enders trotzdem aus einer Position der Stärke heraus agiert, verdankt er den guten Zahlen der zivilen Luftfahrttochter Airbus, die Enders einst führte. Und allen Kritikern zum Trotz hat er nun sein Vorhaben umgesetzt – und den Einfluss der Politik zurückgedrängt. Auf der außerordentliche Hauptversammlung des Konzern ist am Mittwoch eine weitreichende Änderung der Führungs- und Aktionärsstruktur beschlossen worden.

Grundlage des jetzt beschlossenen Umbaus ist eine bereits im Dezember getroffene Vereinbarung zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien. Die Länder garantieren darin, ihren gemeinsamen Stimmrechtsanteil künftig unter 30 Prozent zu halten. Sensible militärische Programme werden in nationale Tochtergesellschaften von EADS ausgegliedert. Dies soll die speziellen Sicherheitsinteressen Deutschlands und Frankreichs schützen. „Wir bewegen uns von einem System in ein anderes“, sagt Enders.

Der 54-jährige Enders muss sich nun nicht mehr von Frankreich, Deutschland und Spanien reinreden lassen. Veto-Rechte fallen weg, die Airbus-Mutter soll unabhängiger von der Politik werden. Und dass, obwohl die deutsche Bundesregierung sich mit zwölf Prozent in den Konzern einkauft. Frankreich und Spanien reduzieren ihre Anteile auf zwölf bzw. vier Prozent. Damit sinkt der Stimmrechtsanteil der drei Länder insgesamt auf unter 30 Prozent. Bislang waren es - direkt oder indirekt - mehr als 50 Prozent.

Rückendeckung für den Umbau hatten vor allem die privaten Großaktionäre gegeben. Der deutsche Autokonzern Daimler und die französische Mediengruppe Lagardère wollen sich von ihren Anteilen trennen. Die neue Einigung sieht im Kern vor, dass Lagardère und der deutsche Daimler-Konzern ihre EADS-Anteile komplett verkaufen können, ohne dass das Machtgleichgewicht zwischen deutscher und französischer Seite beeinträchtigt wird.

EADS will im Rahmen des Umbaus bis zu 15 Prozent des ausstehenden EADS-Aktienkapitals zu einem Preis von bis zu 50 Euro pro Anteilsschein zurückkaufen und die Aktien dann einziehen. Die verbleibenden Aktionäre würden dann von der Steigerung des Gewinns je Aktie profitieren. Die Menge der Aktien, die nicht in fester Hand sind, sondern am Markt gehandelt werden, wird den Plänen zufolge von zuletzt rund 55 auf 72 Prozent steigen. Auch das ist nach Einschätzung der EADS-Führung Zeichen für mehr Unabhängigkeit.

Endgültig rechtskräftig ist die neue Struktur mit dem Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung noch nicht. Bis spätestens kommenden Dienstag soll die Aktionärsstruktur aber ins niederländische Unternehmensregister eingetragen werden. Dazu soll der neue EADS-Verwaltungsrat eine entsprechende Entscheidung fällen. Für Major Tom könnte es der Neubeginn sein.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Tres bien,
    oaber a Hund isser scho, unsa Mäitscha … wenn auch nur zum eigenen Vorteil!
    So verhökert man also nationale Kompetenzen und Interessen! Man kann jetzt den Count Down starten, um die letzten System- und Entwicklungskompetenzen im LuR-Bereich gänzlich über die Wupper, sorry den Rhein zu schieben. Das bisschen A320-Familiy-Zusammentackern, kann man dann in der nächsten Krise komplett in China und Alabama konzentrieren - Lost Cost und Dollarraum eben.
    Ich hoffe nur, dass er zumindest moralisch dafür irgendwann mal zur Rechenschaft gezogen wird …

  • Nun, nachdem
    Airbus (Toulouse)
    Astrium (Paris)
    Eurocopter (Marigne)
    und jetzt ab 2013 die EADS-Gruppe den Konzernsitz
    in Toulouse haben wird, zieht sich der franz. Staat gerne
    auf Normalmaß zurück, denn die Felle sind ja zu deren Gunsten verteilt.
    Wer mit dem "Hauptsitz" der geschrumpften Cassidian kommt ist ein blinder Naivling, hier hat FR mit der massiven politschen Unterstützung der Rafale Jäger (siehe Indien) längst Flagge gezeigt.

    Nun jetzt merkt die CDUmm langsam das Balance schief ist und ein abgehalteter ehm. Pastor (Hinze) soll das (unlösbare) Problem lösen. Ich lache mich schalpp, CDumm verhöckert deutsche Interessen und die SPblöd stellt das alles noch mehr in den Schatten.
    Ergo: Die Politik kann man total vergessen..

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