EADS und Airbus
Bei Jobs hört die Freundschaft auf

Die Regierungen in Berlin und Paris versuchen alles, um den Stellenabbau in ihren Ländern als Folge der Airbus-Sanierung zu begrenzen. Doch für den neuen Chef des krisengeschüttelten Flugzeugbauers, Louis Gallois, sind tiefe Einschnitte unvermeidlich. Jetzt geht es nur noch darum, wo gespart wird. Beobachtungen vom deutsch-französischen Kabinettstreffen.

PARIS. Die Stirn ist in Falten gelegt, das sonst so freundliche Lächeln verschwunden. „Das kann doch nicht wahr sein“, entfährt es Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Doch der Mann in blauer Uniform mit roter Tresse lässt sich nicht erweichen. „Ich kenne Sie nicht. Sie haben keinen Ausweis. Deshalb kann ich Sie nicht hereinlassen.“

Der deutsche Regierungssprecher steht an der Pforte des Elysée-Palastes an der rue Faubourg Saint Honoré Nummer 55 in der französischen Hauptstadt. Die Kanzlerin ist schon vor zehn Minuten in den Ehrenhof eingefahren, ihr außenpolitischer Chefberater Heusgen eilte ihr kurz darauf zu Fuß hinterher, vorbei an den Orangenbäumchen und der federbuschgeschmückten republikanischen Garde. Endlich, nach einer Viertelstunde und der Intervention eines Protokoll-Beamten, darf auch Wilhelm der Chefin folgen ins Allerheiligste der französischen Politik.

Freundschaft ist gut, Kontrolle ist besser. Diese Devise beherzigen nicht nur die Elysée-Pförtner beim siebten deutsch-französischen Kabinettstreffen in der französischen Hauptstadt. Zwar lobt Angela Merkel die „Kameradschaft“ zwischen den 21 aus Deutschland angereisten Ministern und Staatssekretären und ihren 20 französischen Amtskollegen. Diese Kameradschaft kennt allerdings Grenzen, was die Krise bei Airbus schlagartig deutlich macht.

Die Bundesregierung kann zwar im Prinzip damit leben, dass ein Franzose die Sanierung des angeschlagenen Flugzeugkonzerns übernommen hat. „Wir haben Vertrauen in Louis Gallois“, sagt ein hochrangiger deutscher Diplomat in Paris. Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser – zumal dann, wenn es um deutsche Arbeitsplätze geht. Mehrfach betont Merkel in Paris, dass die deutschen Airbus-Standorte und die dort tätigen Mitarbeiter die volle „politische Unterstützung“ aus Berlin haben – eine klare Ansage an Airbus-Sanierer Gallois. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos erwähnt beiläufig, dass zurzeit „mehr als die Hälfte der Investitionsmittel“ aus dem deutschen Verteidigungsetat „an EADS“ fließen. Die Warnung richtet sich nicht nur an EADS-Co-Chef Gallois, sondern auch an einen wichtigen Aktionär des Konzerns: den französischen Staat.

Dessen höchster Repräsentant sitzt neben Angela Merkel im rundvergoldeten Elysée-Prunksaal Salon Napoléon III und beteuert, dass es bei der Airbus-Sanierung fair zugehen werde. „Die Lasten des Sanierungsplans müssen natürlich gleichmäßig und harmonisch auf die beiden wichtigsten Standorte von Airbus verteilt werden“, versichert Staatspräsident Jacques Chirac und spricht auch davon, dass die Kanzlerin ihm gegenüber ihre „Sorge“ um den Standort Hamburg zum Ausdruck gebracht habe.

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