EADS und BAE
Diskussion über Fusion könnte noch Wochen dauern

Die Verhandlungen zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien über die Fusion der Rüstungskonzerne BAE und EADS stocken. Jetzt könnte eine Frist verlängert werden, bis zu der eine Entscheidung vorliegen muss.
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ParisDie Verhandlungen über eine Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems stecken in einer Sackgasse. Im Streits um staatliche Beteiligungen ist keine Einigung in Sicht: Die Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatschef François Hollande und des britischen Premiers David Cameron verhandelten am Freitag per Videokonferenz erneut über die Fusion. Nach Angaben aus informierten Kreisen würde Großbritannien eine Beteiligung Deutschlands und Frankreichs von jeweils neun Prozent an dem neuen Konzern akzeptieren. Damit gäbe es ein Kräftegleichgewicht zwischen Berlin und Paris.

Am Freitagabend sickerte durch, dass bislang keine gemeinsame Linie gefunden werden konnte. Zwar würden die Gespräche zwischen den drei Staaten fortgesetzt. Doch werde es wohl nicht mehr zu einer Einigung vor der bislang gesetzten Frist vom 10. Oktober kommen. Vielmehr sei eine Verlängerung der Deadline um 28 Tage wahrscheinlich.

Frankreich hat nach den Worten von Hollandes den Rahmen für eine Fusion der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE bestimmt. „Wir haben unsere Bedingungen gesagt“, sagte Hollande am Freitagabend. Nun liege es an den Unternehmen, ihre Verhandlungen im Wissen um die französische Position fortzusetzen. Als Punkte für Frankreich nannte Hollande Kapitalanteil, Standorte und Sicherung der Rüstungsindustrie. Zu konkreten Einzelforderungen sagte der Präsident aber nichts.

London verlangt den Angaben zufolge, dass sich Paris schriftlich verpflichtet, darüber hinaus keine Anteile vom französischen Lagardère-Konzern zu kaufen. Das wiederum lehnt die französische Regierung ab. „Die Franzosen sagen: Wir haben nicht die Absicht, Anteile von Lagardère zu kaufen, aber wir geben dazu auch keine schriftliche Garantie ab“, hieß es aus Verhandlungskreisen. Aus deutschen Regierungskreisen heißt es, dass auch die Bundesregierung derzeit eine Einigung verhindere. EADS und dessen Vorstandschef Tom Enders gelinge es bisher nicht, den Widerstand in Berlin zu brechen.

Ein Scheitern der Verhandlungen dementierten die Konzerne aber. „Wir sind von den Regierungen über den Status der Gespräche informiert worden“, sagte ein Sprecher des Konzerns am Freitag. „Aber uns ist zu keiner Zeit vermittelt worden, dass der Deal gescheitert sei.“ EADS arbeitet mit BAE weiter auf den Termin am 10. Oktober hin, bis zu dem nach britischen Recht ein Zwischenergebnis vorliegen muss.

„Es bleiben nur noch wenige Tage, aber ich weiß nicht, wie oft sie sich noch treffen wollen“, hatte ein Industrievertreter nach einer Videokonferenz der Regierungsberater gesagt. „Sie leben ein Europa vor, das nicht funktioniert.“

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EADS ist gegen eine Staatsbeteiligung

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  • Bisher bietet Enders und EADS Deutschland ja nur eine Jobgarantie, die nicht über den Deutschen Kündigungsschutz hinaus geht. Die Enders Standortgarantie bedeutet nur, dass EADS an den Standort mindestens mit einen Hausmeister vertreten sein muss. Das ist das letzte Wort von EADS. Mit den Bedingungen ist die Fusion von Deutschland eben nicht Zustimmungsfähig. Scheinbar hat Enders bei der Fusion auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, und damit wohl Millionen an Lobby- und Beraterhonoraren verbrannt.

  • Der Hintze ist fleißig. Hat 'ne ziemlich solide Widerstandsfront gegen den Deal gezimmert, Gott sei Dank.

    In Berlin tun sie sich ja allesamt recht schwer damit, offen zu sagen, dass WIR DAS FÜR UND WEGEN DEUTSCHLAND nicht wollen.

    Aber immerhin üben sie derzeit 'n bischen, sich für DEUTSCHLANDS Interessen stark zu machen - und somit den umgebenden Egozentrikern Europaweit mal langsam die Stirn zu bieten.

    Ein Weltmarktführer im Rüstungsgeschäft MUSSSSSSSSSS in Staatshand bleiben. Alles andere ist ein Verbrechen an der Welt.

  • Die Fusion würde Europa schwächen und die wichtige EADS würde ohne Not in die Hände von den USA und England gegeben werden.
    Der neue Konzern erhielte nur noch Rüstungsaufträge von den USA, wenn dort eine Tochtergesellschaft mit amerikanischem Management gegründet wird, wie viele Medien berichtet haben.
    Mit England haben wir bisher innerhalb der EU nur schlechte Erfahrungen gemacht. Warum sollte England mit den USA den Zugriff auf die in Deutschland und Frankreich entwickelte Technik bekommen?

    Ausserdem verbauen wir uns die Chance, einmal ein vereintes Europa inklusive Osteuropa zu haben. Das geht nur mit gemeinsamer Militärpolitik und die USA werden alles tun, damit das nicht möglich wird.

    Hier sind wieder Bilderberger Strategen aktiv, wie Herr Enders, die für die USA arbeiten und Europa nachhaltig schwächen.

    Niemals darf es zu dieser Fusion kommen!

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