EADS und BAE
Durch die Hintertür ins Pentagon

Mit der geplanten Fusion mit BAE greift EADS seinen Erzkonkurrenten Boeing zu Hause an. Doch der US-Konzern gibt sich angesichts des entstehenden Rüstungsgiganten gelassen. Und dann ist ja auch noch Wahlkampf.
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New York/Paris/MünchenZumindest nach außen hat Jim McNerney noch gute Laune. Sollten sich die europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems tatsächlich zusammenschließen, „würden sie ein bisschen mehr wie wir aussehen“, sagte der Chef des EADS-Erzkonkurrenten Boeing in Washington. Auch die nackten Zahlen scheinen den Manager nicht zu schrecken. Die Europäer würden durch die Fusion zum Rüstungsgiganten heranwachsen, mit einem Umsatz von knapp 100 Milliarden Dollar – und den bisherigen Platzhirschen aus Chicago mit rund 70 Milliarden Dollar auf den zweiten Rang verweisen. „Ich glaube nicht, dass uns das fundamental bedroht“, sagte McNerney. „Ich habe einen ziemlich tiefen und beständigen Glauben in die Stärke unseres Unternehmen“.

Seit Dienstagabend ist die Branche elektrisiert: Der Plan für einen neuen Rüstungsgiganten, verschmolzen aus dem deutsch-französischen EADS-Konzern und BAE Systems. Die Briten sollen helfen, jene strategischen Schwachstellen der EADS zu beseitigen, die das Management um Thomas Enders schon lange identifiziert hat.

Denn die Airbus-Mutter hängt viel zu stark an den schrumpfenden europäischen Rüstungsbudgets. Sie braucht eine bessere Absicherung gegen den Dollar und vor allem eine Perspektive für den Bau von Drohnen, der unbemannten Version von Kampfflugzeugen.

Da soll nun der Weg in die USA über den Umweg BAE helfen. BAE könnte den Europäern Türen im Pentagon öffnen, die bisher verschlossen sind. Von dicken US-Rüstungsaufträgen träumt die EADS seit ihrer Gründung. Denn mit den Milliarden der US-Militärs könnte das Risiko des zivilen Flugzeugbaus von Airbus besser ausbalanciert werden.

Doch die Airbus-Mutter EADS hat in den USA bislang stets ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Im Februar 2011 entzog das Pentagon der Tochter Airbus Military den sicher geglaubten Auftrag zum Bau von Tankflugzeugen und bevorzugte Erzrivalen Boeing.

Solche Probleme hat BAE nicht. Die Briten sind seit Jahren fest in der US-Rüstungsbranche integriert. So kaufte BAE-Chef Ian King ein halbes Dutzend Töchter von Boeing und Lockheed Martin – und ist damit ein kaum verzichtbarer Lieferant von elektronischen Komponenten. Zudem sind die Briten maßgeblich an der Entwicklung des „Joint Strike Fighters“ beteiligt, des kommenden Standardjägers der US Air Force und US Navy.

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Amerika bleibt das gelobte Land der Rüstungsbranche

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  • Die USA haben in den nächsten Jahre kein Geld für neue Rüstungsprogramme, das ganze Geld fressen die zu teuren Altprogramme (F-35, GlobalHawk, V-22 etc.) auf. Da wird EADS/BAE keinen Blumentopf gewinnen. EADS/BAE wird weiterhin von den Europäischen und da insbesondere von den Deutschen Steuergeldern am Leben gehalten. Nur die Mitsprachrechte der Länder sollen sinken. Damit Enders & Co. noch ungestörter Partys feiern können.

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