EADS und Saab gelten als Favoriten um die Vergabe des Milliardenauftrags
Schweiz lockt Kampfjet-Hersteller

Die Schweizer Armee plant, innerhalb der nächsten sechs Jahre 35 Kampfjets zu kaufen. Das ruft die internationalen Rüstungs-Konzerne auf den Plan. Lange vor der endgültigen Entscheidung buhlen sie bereits um die Gunst der jeweiligen Verantwortlichen.

ZÜRICH. Dem Wunsch der Armee haben bislang weder Regierung noch das Parlament in Bern zugestimmt. Er soll die Schweiz an die 3 Milliarden Euro kosten und ruft die internationalen Rüstungs-Konzerne auf den Plan. Lange vor der endgültigen Entscheidung buhlen sie bereits um die Gunst der jeweiligen Verantwortlichen.

Bei einer Flugschau im schweizerischen Payerne haben sich vier große Konzern im September bereits in Stellung gebracht. Um den Auftrag bewerben sich die europäische EADS- Gruppe, der schwedische Saab-Konzern, die französische Dassault sowie das US-Team von Boeing. Seit die Testpiloten zeigten, was in den vier konkurrierenden Maschinen steckt, wird in Bern darum gerungen, wer den Zuschlag bekommt. Zurzeit konzentriert sich die Diskussion auf den Eurofighter von EADS und die Gripen von Saab. (Siehe Kasten) Wie immer bei so einer Entscheidung sind es allerdings keine technischen, sondern politische Argumente, die den Ausschlag geben werden.

Dabei könnte der gesamte Auftrag noch am Widerstand des Schweizer Wahlvolks scheitert. Genau darauf arbeitet nämlich zur Zeit ein Bündnis hin, das sich „Gruppe Schweiz ohne Armee“ nennt. Dessen Sprecher Stefan Luzi sieht in einer Volksabstimmung etwa über die Frage, ob die Schweiz angesichts der Bedrohungslage überhaupt Geld für Kampfflugzeuge ausgeben soll, eine Möglichkeit, das Projekt zu verhindern. Vorläufig will die Gruppe Politiker für ihre Haltung gewinnen und glaubt Grüne und Sozialdemokraten bereits hinter sich. Weil das aber für eine Mehrheit im Parlament nicht reicht, wagt sich Luzi auch an die bodenständigen Rechten der erzkonservativen Partei SVP heran, die seiner Einschätzung nach lieber die Bodentruppen ausrüsten würde, als Geld für die Luftwaffe locker zu machen.

Die Flugzeughersteller schauen diesem Treiben natürlich nicht tatenlos zu. „Man redet mit Leuten, die sich für das Thema interessieren“, bestätigt EADS-Sprecher Wolfram Wolf. Saab redet nicht nur, sondern lädt Schweizer Fachleute und Journalisten ins Gripen-Werk nach Linköping ein. Dort erläutert Marketingchef Tony Ogilvy die Vorteile des wendigen Schweden, die vor allem in günstigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten bestehen. Auch untereinander verschärfen die Kontrahenten den Ton. EADS kann es sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass die Exporterfolge der Schweden zu wünschen übrig lassen. Tatsächlich hat sich bisher erst Südafrika für den Kauf der Gripen entschieden, Tschechien und Ungarn haben Maschinen geleast.

In der Schweiz allerdings könnte sich das Blatt wenden. Ausschlaggebend dafür sind die so genannten Kompensationsgeschäfte, die ein Rüstungsunternehmen abschließt, wenn es einen Staatsauftrag ergattern will. Mit ihnen verpflichtet sich die Herstellerfirma, der Industrie im Käuferland als Ausgleich für den Kaufpreis Gegenaufträge zu verschaffen. EADS, die zu 80 Prozent an Airbus beteiligt ist, könnte zum Beispiel der Schweizer Luftfahrtindustrie anbieten, Teile für die Zivilflugzeuge zu fertigen.

Die Konkurrenz von der Saab-Gruppe hält allerdings einen wichtigen Trumpf in der Hand: Zweitgrößter Eigner bei Saab ist die Investor- Gruppe des schwedischen Industriellen Marcus Wallenberg. Die Gruppe ist wiederum mit zehn Prozent der Anteile auch einer der wichtigsten Investoren beim größten Schweizer Industriekonzern ABB. Die Überlegung, dass ABB von Gegengeschäften profitieren würde, stößt bei den Parlamentariern in Bern auf offene Ohren. Und auf sie kommt es jetzt an. Mit einem Nein zum erwarteten Antrag des Kabinetts, das Geld für den ersten Schritt der Beschaffungsprozedur in den Verteidigungsetat einzustellen, wäre das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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