EADS vs. Dassault/Thales
Drohnen-Anbieter kämpfen um Auftrag

Deutschland, Frankreich und Spanien wollen stärker in Aufklärungsdrohnen investieren. Um den kurzfristigen Bedarf zu decken, will Deutschland ein bestehendes System der israelischen Firma IAI einkaufen. Mittelfristig soll jedoch eine leistungsfähigere Technik her, am liebsten aus Europa. Und um diesen Auftrag ist ein Kampf zwischen dem Duo Dassault/Thales und EADS entbrannt.

LE BOURGET. Das Projekt wird im Fachjargon "Advanced UAV" genannt. Die Abkürzung UAV steht dabei für "Unmanned Aerial Vehicle". EADS stellt seinen Entwurf für das europäische Projekt auf der Pariser Airshow aus: Die "Talarion" soll 2013 zum ersten Mal fliegen. Die Auslieferung könnte 2015 beginnen, sagte Nicolas Chamussy, der bei EADS die Drohnen-Programme verantwortet. Voraussetzung sei allerdings, dass die Kunden möglichst schnell eine Kaufentscheidung träfen.

Im Mai hatte EADS Deutschland, Frankreich und Spanien ein Angebot unterbreitet, um das neue unbemannte Aufklärungsflugzeug zu bauen. Das 2,9 Mrd. Euro teure Paket enthält sechs Systeme für Deutschland (ein System umfasst drei Drohen plus Bodenstation), sechs für Frankreich und drei für Spanien. Die Talarion ist dabei als zweistrahliger Jet mit knapp 28 Metern Spannweite konzipiert, der 24 Stunden in der Luft bleiben und 800 Kilogramm Ausrüstung schleppen kann. Die Drohne dient unter anderem zur Land- beziehungsweise Seeaufklärung und soll für die Streitkräfte Ziele erfassen.

Bisher können nur die USA und Israel unbemannte Flugzeuge für Militärzwecke bauen. EADS hofft nun, dass sich die europäischen Staaten trotz Budget-Engpässen entschließen, die Talarion in Auftrag zu geben, damit auch Europa sich dieses Know-how aneignet. Genau an diesem Punkt setzt das Duo Thales/Dassault an: Sie haben Spanien und Frankreich eine Gegenofferte vorgelegt, die auf der Heron-TP-Drohne der israelischen IAI beruht. "Wir müssen das Rad nicht zweimal erfinden", sagt Daniel Fremont, der bei Dassault für das Drohnen-Projekt zuständig ist.

Dassault und Thales stört, dass selbst die französische Militärbeschaffungsagentur DGA bei EADS einkaufen will, denn die Defense-Sparte von EADS gilt in Frankreich als deutschlandlastig. Die französische Armee betreibt in Afghanistan bereits eine EADS-Drohne, die Harfang; doch auch sie gilt nur als Übergangslösung bis 2015, bis ein leistungsfähigeres System verfügbar ist.

"Unser System ist das einzige europäische Drohnen-System, das in vergleichsweise kurzer Zeit und zu bezahlbaren Preisen verfügbar ist", wirbt Thales-Manager Jean-Francois Henrio für den Gegenentwurf. Dabei hat das Flugzeug Propeller statt einen Düsenantrieb und kann 600 Kilogramm Last aufnehmen. Die Lieferung soll ab 2013 möglich sein.

Wie es in Industriekreisen heißt, hat das Duo Thales/Dassault angeboten, für 700 Mio. Euro je drei Systeme an Frankreich und Spanien zu liefern. Deutschland habe man kein Angebot gemacht, da die Einsatzanforderungen zu unterschiedlich seien, heißt es. Frankreich will bis Ende des Jahres entscheiden, wer den Zuschlag bekommt.

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