Eckhard Cordes' neuer Job
Bei Haniel haben Fremdmanager Tradition

Der Aufsichtsrat der Duisburger Franz Haniel & Cie GmbH hat Eckhard Cordes zum neuen Vorstandschef ernannt. Der ehemalige Mercedes-Chef muss sich auf eine andere Unternehmenskultur einstellen.

HB DÜSSELDORF. Cordes löst im Januar 2006 Theo Siegert ab. Mit der Übernahme seiner Aufgabe bei Haniel wechselt Cordes, der lange als Schrempp-Nachfolger galt, in eine andere Welt. Familienunternehmen wie der Mischkonzern aus Duisburg agieren viel diskreter als börsennotierte Unternehmen wie Daimler-Chrylser, die ihre Aktionäre über jeden Schritt informieren müssen. Dem Kopfmenschen Cordes, der den ständigen öffentlichen Rummel schon als Mercedes-Chef nicht schätzte, dürfte das entgegenkommen.

Generell gelten Familienunternehmen zwar nicht als attraktive Arbeitgeber für Manager, da viele Eigentümer sich gern ins Tagesgeschäft einmischen. Doch der Konzern hat „einen Sonderweg gewählt“, sagt Dietrich Reinhardt, Berater bei Kap 1 Consulting in Düsseldorf. Haniel, mit 24,3 Mrd. Euro Umsatz die Nummer fünf der deutschen Familienunternehmen, hat sich für die Trennung von Kapitalbesitz und Management entschieden.

Keiner der 534 Gesellschafter der Holding übernimmt die Leitung des Unternehmens. Dafür holen sie sich „hervorragende Fremdmanager“, weiß Reinhardt. Die Familienmitglieder beschränken sich auf Posten im Aufsichtsrat, beispielsweise Franz Markus Haniel, hauptberuflich Vorstand des Banknotendruckers Giesecke & Devrient, und derzeit Aufsichtsratschef bei Haniel.

Durch diese Regelung vermeiden die Haniels ein Grundproblem typischer Familienunternehmen: die Konflikte zwischen den Gesellschafterinteressen und der Unternehmensführung.

Als Mischkonzern ist Haniel – neben Röchling, Freudenberg oder Virgin – unter den großen europäischen Familienunternehmen eher die Ausnahme. „Nur wenige Unternehmen in Privatbesitz beherrschen das dynamische Management von Portfolios so wie Haniel“, sagt Professor Peter May, Gründer der Unternehmensberatung Intes in Bonn. „Oft hängen Familienunternehmen zu sehr an traditionellen Geschäften und trennen sich nicht rechtzeitig davon.“

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