Industrie
EDF fordert Buffett heraus

Der französische Stromkonzern EDF kommt dem amerikanischen Investor Warren Buffett in die Quere: Jetzt haben die Franzosen eine Offerte von Buffet für den US-Energieanbieter Constellation überboten. Damit rächt sich EDF für die jüngsten Schritte des Amerikaners.

PARIS. Pierre Gadonneix, Chef des französischen Stromriesen EDF, legt sich mit dem US-Investor Warren Buffett an: EDF legte gestern eine Offerte für 50 Prozent der Nuklear-Aktivitäten des US-Energieanbieters Constellation Energy über 4,5 Mrd. Dollar vor. Laut EDF entspricht dies einem Wert von 52 Dollar je Constellation-Aktie. Damit überbieten die Franzosen die Offerte von Warren Buffetts Gesellschaft Midamerican um ganze 96 Prozent. "Wir glauben, dass unsere Bedingungen eindeutig besser sind als die von Midamerican", warb Gadonneix.

Analysten und die Börse reagierten mit Skepsis: Auch wenn es langfristig für EDF wichtig sei, in den USA vertreten zu sein, "löst der Deal die Sorge aus, dass EDF zu viel bezahlt", kommentierten die Analysten von Dresdner Kleinwort. Der Kurs der EDF-Aktie sank um fast sechs Prozent. Laut Berechnungen auf Basis von Bloomberg-Daten bewertet die EDF-Offerte Constellation fast mit dem Zehnfachen des erwarteten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Andere US-Stromanbieter wie Exelon Corp. werden nur halb so hoch bewertet.

Mit der Offerte rächt sich EDF nun dafür, dass Buffett im Sommer die Pläne der Franzosen mit Constellation zunichte gemacht hatte. "EDF geht es vor allem darum, die Offerte von Buffett aus dem Rennen zu werfen", sagte Peter Wirtz, Analyst der WestLB. EDF hatte im September bereits eine Offerte für Constellation über 6,2 Mrd. Dollar vorgelegt. Kurzfristig hatte Buffetts Gesellschaft Midamerican sich aber mit dem Verwaltungsrat von Constellation geeinigt, dass der Milliardär den Stromkonzern für 4,7 Mrd. Dollar bekommt. Am 23. Dezember sollen nun die Constellation-Aktionäre über Buffetts Offerte abstimmen.

In diese Phase des Wartens stoßen die Franzosen mit ihrer neuen Offerte: Demnach will EDF die Hälfte der Nuklear-Aktivitäten von Constellation kaufen und in ein Joint-Venture überführen. Ferner wollen die Franzosen dem US-Konzern eine Milliarde Dollar Cash geben, die aber vom Kaufpreis abgezogen werden. Darüber hinaus bietet EDF Constellation die Option an, dass die Amerikaner für maximal zwei Milliarden Dollar den Franzosen auch konventionelle Aktiva verkaufen können. EDF hofft, den Deal in "sechs bis neun Monaten" abzuschließen. Laut WestLB-Experte Wirtz sind beide Offerten wegen ihres unterschiedlichen Charakters aber nur schwer zu vergleichen.

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