Edle Tropfen von der Palette
Spitzen-Weine zu Discounterpreisen

Billigwein ist „Out“. Stattdessen wollen Aldi, Lidl & Co. künftig den den Absatz von hochklassigem Rebensaft fördern. Das Geschäft mit den Discountern wollen sich dabei auch einzelne Winzer aus den Reihen der deutschen Wein-Elite nicht entgehen lassen. Dass Wein längst kein regionales Marketing-Thema mehr ist, haben inzwischen auch die Messeveranstalter erkannt.

DÜSSELDORF. Der Trend zum preiswerten Wein scheint gestoppt, verkündet zumindest das Deutsche Weininstitut (DWI). Denn der Durchschnittspreis für die im Lebensmittelhandel inklusive Discount eingekauften Weine ist laut DWI im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um elf Cent auf 2,49 Euro pro Liter gestiegen. Deutschen Wein mochten die Verbraucher dabei am liebsten. Für ihn zahlten sie pro Liter durchschnittlich 2,67 Euro und damit 31 Cent mehr als für Weine aus dem Ausland.

An dieser Entwicklung haben nicht zuletzt die deutschen Discounter wie Aldi, Lidl oder Norma einen großen Anteil, denn sie haben „guten Wein“ als Lockvogelangebot entdeckt. Spitzenweine wie ein Châteauneuf-du-Pape zum Flaschenpreis von 11,99 Euro oder ein Barolo für 9,99 Euro sind im Sortiment der Discounter keine Seltenheit mehr. Auch deutsche Qualitätsweine von der Ahr bis zur Saar gehören zum Angebot.

Die Zeit, in der anonyme Rotweine im Einliter-Karton im Handel unter einem Euro angeboten wurden, ist zwar nicht vorbei, doch die Discounter wollen beim Wein inzwischen vorrangig durch Qualität glänzen. Vor allem Lidl hat sich unter den Weinliebhabern hierzulande einen Namen gemacht. „Bereits 2007 wurden wir von der Fachzeitschrift ,Weinwirtschaft‘ für das beste Weinsortiment im Lebensmittelhandel, Bereich Discounthandel, ausgezeichnet“, berichtet stolz die Neckarsulmer Konzernzentrale. „Beste Qualität zum besten Preis“, lautet die Devise. Handelsexperten bestätigen, dass sich dieser Paradigmenwechsel im Discount für die Handelsunternehmen auch in Euro und Cent auszahlt.

Bei einem nur geringen Absatzplus beim Wein von 1,4 Prozent stieg 2008 der Wert der bei den Discountern Lidl, Norma, Penny & Co. verkauften Rebensäfte um fast acht Prozent, wie die Marktforschungsgesellschaft GfK feststellte. Auch beim Billigheimer Aldi nahm der Weinumsatz im vergangenen Jahr bei leicht rückläufigem Absatz um rund vier Prozent zu.

Das Geschäft mit den Discountern wollen sich auch einzelne Winzer aus den Reihen der deutschen Wein-Elite, die sich im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) zusammengeschlossen hat, nicht entgehen lassen. So erregte erst kürzlich VDP-Winzer Hans Lang aus Hattenheim großes Aufsehen, als er Aldi Süd 60 000 Flaschen seines Classic-Rieslings Jahrgang 2007 lieferte, die im Discount-Regal selbst für den Spitzenpreis von 7,99 Euro pro Flasche reißenden Absatz fanden.

VDP-Präsident Steffen Christmann findet daran nichts Anstößiges. Schließlich finde im Discount mit Wein „kein Preisverhau“ im großen Stil mehr statt. Ein breiteres Angebot an „höherpreisigen Alltagsweinen“ begrüßt der 44-jährige Pfälzer, der vor zwei Jahren an die Spitze der ältesten Winzervereinigung der Welt rückte. „Je mehr Leute sich für Premiumweine interessieren desto besser“, lautet die Devise des Weinbaufunktionärs, der das familieneigene Weingut A. Christmann im pfälzischen Gimmeldingen führt.

Seite 1:

Spitzen-Weine zu Discounterpreisen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%