Ehemalige MTU-Friedrichshafen
Tognums Börsengang wackelt

Der für Anfang Juli geplante Börsengang des Motorenbauers Tognum scheint keineswegs mehr sicher. Offenbar versuchen einige Konkurrenten den jetzigen Besitzer davon zu überzeugen, die ehemalige MTU-Friedrichshafen im Stück abzugeben.

cha MÜNCHEN. Nach einem Bericht des Konstanzer „Südkuriers“ denkt der Tognum-Eigentümer, die schwedische EQT, darüber nach, Tognum an den finnischen Konkurrenten Wärtsila zu verkaufen. Die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bringt den britischen Triebwerks- und Motorenhersteller Rolls-Royce als Kaufinteressenten ins Spiel. In dem Bericht vom Freitag heißt es, EQT lasse die Deutsche Bank parallel zur Vorbereitung des Börsengangs auch einen Verkauf ausloten.

Aus Kreisen von Tognum verlautete am Donnerstag dennoch, der Börsengang bleibe die bevorzugte Variante von EQT. Allerdings hätten sich im Laufe des Prozesses eine Reihe von Interessenten gemeldet. Diese seien nun offenbar vom schnellen Prozess überrascht worden und versuchten, den Börsengang zu verhindern.

Laut Unternehmenskreisen sind die Vorbereitungen für den IPO so gut wie abgeschlossen. Schon in wenigen Tagen soll die Roadshow an den wichtigen Finanzplätzen rollen, daher hätten mögliche Kaufinteressenten nur noch wenige Stunden Zeit, ihr Angebot nach vorne zu spielen. Laut Informationen aus Industriekreisen will der Finanzinvestor EQT, der zum Einflussbereich der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg gehört, noch am heutigen Freitag über einen Verkauf entscheiden. Sollte EQT den Börsengang doch absagen, wäre der größte IPO seit dem Debut der Deutschen Postbank 2004 geplatzt. Tognum gilt bislang als Aspirant für den M-Dax.

Schlechtes Zeichen

Auch für den im Herbst geplanten Börsengang der Siemens-Autozulieferersparte VDO wäre ein Verkauf kein gutes Vorzeichen. Für VDO haben sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet, als heißester Anwärter gilt Conti. Offiziell befürwortet auch Siemens einen IPO der Zulieferersparte.

EQT hatte die einstige MTU Friedrichshafen Ende 2005 von Daimler-Chrysler für 1,6 Mrd. Euro übernommen und deren Geschäft seither ausgebaut. Mehrere Übernahmeversuche waren zuvor gescheitert, so durch den Konkurrenten MAN oder den Finanzinvestor KKR. 2006 setzten die Friedrichshafener 2,5 Mrd. Euro um, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern betrug 310 Mill. Euro.

Nach Informationen aus Finanzkreisen gibt es für Tognum noch einen zweiten heißen Kaufinteressenten, der aus dem Flugzeugmotorenbau kommt. Auch dies könnte das Zaudern von EQT erklären. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass die Bewertungen der Banken für Tognum sehr variieren. Über den Börsengang will EQT offiziell zwischen 3,2 und knapp vier Mrd. Euro einlösen. Die Tognum-Belegschaft präferiert den Börsengang, bei einem Verkauf befürchtet sie Jobabbau.

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