Ehrgeizige Prognosen
Chemieriesen entdecken die Zukunft

Die schnelle Erholung der Branche macht den Konzernen Mut: Die Manager wagen sich nun wieder mit ehrgeizigen Prognosen aus der Deckung. Was die Konzerne versprechen, und was Experten davon halten.
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FRANKFURT. Vor zwei Jahren noch schien die Chemiebranche in einer Art Schockstarre. Nach dem drastischen Absatzeinbruch im Schlussquartal 2008 richteten sich die Manager allenthalben auf einen mühsamen Aufstieg aus der Talsohle ein. Kaum einer wagte es, weiter nach vorne zu blicken als ein paar Wochen.

Das ist heute alles Schnee von gestern. Viel schneller als gedacht haben die Firmen wieder die Ertragsniveaus von 2007 erreicht. Und die Sicht ist offenbar wieder klar genug, um in Jahren statt in Wochen zu denken: Gleich reihenweise wagen sich nun europäische Chemiekonzerne mit ambitionierten Mittelfristprognosen aus der Deckung. Die Kombination aus verbesserten Kostenstrukturen, organischem Wachstum und gezielten Akquisitionen soll in den nächsten Jahren kräftige Ertragssteigerungen liefern.

Das jüngste Beispiel für das neue Selbstvertrauen lieferte vor wenigen Tagen der niederländische Chemiekonzern Akzo. Auf einer Analystenkonferenz kündigte das Management des Farbenspezialisten eine neue Phase des "beschleunigten Wachstums" an.

Für die nächsten Jahre stellte Firmenchef Hans Wijers eine Steigerung des Konzernumsatzes von zuletzt knapp 14 Mrd. auf 20 Mrd. Euro in Aussicht, bei kontinuierlich steigendem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und einer stabilen Marge von 13 bis 15 Prozent. Unter anderem will Akzo die Umsätze in China und Brasilien verdoppeln und in Indien vervierfachen.

Wenige Tage zuvor hatte sich bereits der niederländische Konkurrent DSM neue, ambitionierte Ziele gesetzt. der Konzern will bis 2015 ein Ebitda von 1,4 bis 1,6 Mrd. Euro erreichen und dabei mehr als 15 Prozent Kapitalrendite erzielen. Das Rezept auch hier: organisches Wachstum von sechs bis sieben Prozent pro Jahr plus gezielte Zukäufe zur Stärkung des bestehenden Produktprogramms.

In Deutschland wartete der Leverkusener Chemiekonzern Lanxess mit der Ankündigung auf, sein Ebitda bis 2015 um 80 Prozent auf etwa 1,4 Mrd. Euro zu steigern. Das Lanxess-Management nennt dabei keine Umsatzziele, deutete aber an, dass etwa ein Drittel des Wachstums aus Zukäufen kommen soll.

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