Eigene Läden geplant
Schuhhersteller Gabor strebt in die Mode

Der einst auf Damenschuhe spezialisierte Schuhhersteller Gabor will sich zum Lifestylekonzern mit Schuhen für Damen, Herren und Kinder sowie Taschen und Mode wandeln. Um die erweiterte Produktpalette im Einzelhandel präsentieren zu können, sind auch eigene Geschäfte geplant.

DÜSSELDORF. „Noch in diesem Jahr werden wir drei eigene Geschäfte in Deutschland, Österreich und Portugal eröffnen“, sagte Vorstandschef Achim Gabor dem Handelsblatt.

Das Familienunternehmen aus Rosenheim zählt wie Lloyd, Ara und Rieker zur Riege der traditionsreichen deutschen Schuhmarken. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Achim Gabor, der den Vorstandsvorsitz im Februar 2005 von seinem Vater, dem Unternehmensmitgründer Joachim Gabor übernommen hat, ein Umsatzplus von fünf Prozent auf 265 Mill. Euro. Nach zwei schwierigen Jahren 2002/2003 ist Gabor damit wieder auf den Wachstumspfad und in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Die Expansion in neue Produktgruppen und das Engagement im Handel will Gabor aus eigenen Mitteln stemmen. Die Unabhängigkeit ist auch in der zweiten Generation oberstes Gebot im Familienbetrieb: „Wir brauchen weder Finanzinvestoren noch einen Börsengang.“

Mit der Eröffnung eigener Geschäfte folgt Gabor dem Branchentrend. Wettbewerber wie der Herrenschuhhersteller Lloyd oder der italienische Freizeitschuhhersteller Geox haben mit eigenen Geschäften längst auf die Krise des Fachhandels reagiert. Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) verdrängen „preisaggressive Großvertriebsformen“ wie Deichmann und Reno die unabhängigen Fachhändler.

„Wir haben uns als traditioneller Schuhhersteller lange geziert, selbst in den Handel einzusteigen, aber der Konzentrationsprozess ist zu stark. Um am Markt präsent zu bleiben, müssen wir uns dort, wo es keine Fachhandelspartner mehr gibt, selbst engagieren“, sagt Gabor. Pro Jahr plant das Unternehmen, drei bis fünf eigene Geschäfte zu eröffnen. Gabor-Schuhe führen derzeit 6 500 Händler weltweit, 335 von ihnen präsentieren die Produkte aus Rosenheim auf separaten Verkaufsflächen.

Auch der Wandel vom reinen Damenschuh- zum Lifestyleanbieter läuft auf Hochtouren. Auf der Schuhmesse GDS Mitte September präsentierte Gabor die erste Kinderschuhkollektion, die im Frühjahr 2007 auf den Markt kommen soll. Des weiteren laufen die Gespräche mit zwei möglichen Lizenznehmern für die Mode von Gabor. „Der Testlauf im Werksverkauf in Rosenheim war sehr vielversprechend“, sagt Gabor.

Der Markentransfer gilt allerdings als äußerst schwierig. Selbst Luxusledermarken wie Ferragamo und Tod’s tun sich schwer in der Mode Fuß zu fassen. Dass gerade Gabor diese Produkterweiterung gelingt, sehen Experten skeptisch. „Die Chancen von Gabor, sich als Mode- und Accessoiresmarke durchzusetzen, stehen nicht besonders gut. Die Preislage von Gabor ist die wettbewerbsintensive Mitte, das Produkt ist zu konservativ, und die Marke nicht stark genug“, sagt Christina Schmid-Preissler von der gleichnamigen Unternehmensberatung. Schuhe würden bei Gabor sicherlich Hauptumsatzbringer bleiben, Mode und Accessoires würde mehr dazu dienen, den Auftritt im Einzelhandel abzurunden.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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