Eigene Probleme verderben den Südkoreanern die Kauflaune
Samsung zieht Angebot für Sandisk zurück

Der südkoreanische Elektrokonzern Samsung hat den Versuch aufgegeben, den US-Speicherspezialisten Sandisk feindlich zu übernehmen. "Wir ziehen unser Gebot für Sandisk offiziell zurück. Dies geschieht angesichts der schwachen Ertragslage dieses Unternehmens und seines unklaren Geschäftsausblicks", sagte ein Sprecher.

TOKIO. Ursprünglich war es allerdings gerade die derzeit schlechte Lage des amerikanischen Anbieters, die das Unternehmen wegen der niedrigen Bewertung am Aktienmarkt für die Koreaner attraktiv gemacht hat. Die wahren Gründ für den Rückzug sehen Branchenexperten in der Gegenwehr Sandisks und seines langjährigen Kooperatiosnpartners Toshiba. Dazu kommt, dass es auch Samsung derzeit wirtschaftlich nicht mehr so gut geht und der Kaufpreis von 4,5 Mrd. Euro erst einmal aufgebracht sein will.

Samsung Electronics stellt jedes erdenkliche Elektroprodukt her, Sandisk hauptsächlich Nand-Speicherchips und die Produkte darum herum, beispielsweise USB-Sticks oder Memorykarten für Digitalkameras. Samsung kommt damit auf rund 60 Mrd. Umsatz, Sandisk nur auf zwei Mrd. Sowohl Sandisk als auch die Chipsparte von Samsung leiden derzeit unter dem raschen Preisverfall in der Branche. Sandisk hatte offiziell erklärt, das Übernahmeangebot durch Samsung nicht zu unterstützen und sich zu seiner Kooperation mit dem japanischen Samsung-Konkurrenten Toshiba bekannt.

Die Größe und hohe Diversifizierung von Samsung hilft zwar, den Ertrag zu stabilisieren. Aber so rosig wie bis vor einem Jahr sieht bei Samsung längst nicht mehr alles aus. Bei Vorlage der Quartalszahlen am 24. Oktober wird das koreanische Vorzeigeunternehmen aller Wahrscheinlichkeit nach einen hohen Rückgang des Gewinns vermelden müssen. Weltweit verkauften sich Elektroprodukte in den vergangenen Monaten nicht mehr so gut, was Samsung auf mehreren Ebenen trifft. Ganz direkt sinkt der Umsatz mit Handys, Kameras oder Fernsehern. Viel stärker ist jedoch der indirekte Effekt.

Andere Hersteller kaufen die nötigen Chips oder etwa die Flüssigkristallanzeigen für ihre eigenen Produkte bei Samsung - die Aufträge gehen derzeit besonders stark zurück. Besonders schlimm könnte das Weihnachtsquartal aufallen. Analysten erwarten einen Gewinnrückgang von rund 90 Prozent. Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise dürfte die Bereitschaft zu teuren Geschenken deutlich geringer sein als im vergangenen Jahr.

Es dürfte zu Samsungs Entscheidung zum Rückzug beigetragen haben, dass Toshiba und Sandisk in dieser Woche ihre Kooperation ostentativ ausgebaut haben. Ein eigenes richtiges Gebot von Toshiba für Sandisk passte zwar derzeit nicht in die Strategie des japanischen Mischkonzerns - der will von den zyklischen Risiken des Halbleitermarktes weg hin zu Industrien mit längeren Laufzeiten wie dem Bau von Kernkraftwerken. Doch schon, um gegen Samsung positioniert zu bleiben, erklärte Toshiba seine Bereitschaft, auch künftig gemeinsam mit Sandisk Chips herzustellen.

Samsung spielt trotz aller Probleme derzeit die rasche Abwertung des koreanischen Won in die Hände. Mit jeder Abwärtsbewegung von 100 Won gegen den Dollar steigt der heimgeholte Auslandsgewinn um 600 Mrd. Won (350 Mill. Euro), schätzen Analysten. Nachteil bleibt, dass Energie-, Rohstoff- und Zulieferkosten im gleichen Verhältnis steigen, was den Effekt auf den Gewinn wieder dämpft. Der Geschäftsbereich für Flüssigkristallanzeigen wird für das abgelaufene Quartal vermulich einen Gewinnrückgang von 50 Prozent vermelden müssen. Die Speichersparte könnte noch in diesem Jahr ins Minus rutschen - zum ersten Mal seit sieben Jahren.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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