Eigentümer vor dem Ausstieg
Ringen um Bavaria Yacht

In den zähen Verhandlungen über die Zukunft des schwer angeschlagenen Yachtbauers Bavaria mehren sich die Anzeichen für einen weitgehenden Ausstieg des Eigentümers Bain Capital. Eine finale Entscheidung steht allerdings noch aus – und die Zeit drängt.

FRANKFURT. In den seit Wochen ergebnislosen Verhandlungen über die Zukunft des schwer angeschlagenen Yachtbauers Bavaria mehren sich die Anzeichen für einen weitgehenden Ausstieg des Eigentümers Bain Capital. Zwei Insider sagten dem Handelsblatt, der US-Finanzinvestor werde höchstwahrscheinlich kein weiteres Eigenkapital in das Unternehmen investieren. In der Folge sei eine Verwässerung der Anteile von Bain – möglicherweise sogar der Ausstieg – kaum zu vermeiden. Eine dritte Person betonte aber, noch gebe es keine finale Festlegung der Eigentümerstruktur. „Und es sieht nicht nach einer Lösung binnen weniger Tage aus“, hieß es.

Bavaria Yachtbau, von Bain auf dem Höhepunkt des Private-Equity-Booms zu einem völlig überzogenen Preis und mit massiver Fremdfinanzierung gekauft, droht die Pleite. Nur weil die Hauptgläubiger Commerzbank und Oaktree sich im Juli zu einer Zinsstundung bereit erklärt hatten, konnte der Insolvenzantrag vorerst umgangen werden. Bavaria drücken mehr als 800 Mio. Euro Schulden. Der Umsatz der Firma aus Giebelstadt bei Würzburg ist zudem in Folge der Rezession eingebrochen.

Weder die Commerzbank noch Bain Capital wollten sich in der Angelegenheit äußern. Bei Oaktree hieß es: „Wir sind grundsätzlich nicht daran interessiert, mit der Presse zu reden.“

In den Verhandlungen mit Bavaria Yacht wurde zumindest zeitweise diskutiert, dass die Gläubiger auf mehr als 80 Prozent ihrer Kredite verzichten und in Eigenkapital umwandeln. Experten gehen davon aus, dass solche Debt-Equity-Swaps in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen. Beim ebenfalls hochverschuldeten Dachhersteller Monier hatte der Finanzinvestor PAI Partners die Segel gestrichen; die Hauptgläubiger, drei Hedge-Fonds, hatten auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichtet und dafür Eigenkapitalanteile erhalten.

Trotz der Zinsstundung – im Fachjargon Waiver – drängt die Zeit bei Bavaria. Denn in der Branche wird der Großteil des Geschäfts im Herbst und Winter abgeschlossen, wenn die großen Bootsmessen stattfinden. Mitte September startet die Interboot in Friedrichshafen. „Wenn es bis dahin nicht zu einer Lösung kommt, gibt das ein Desaster“, sagte ein Beteiligter. Kein Kunde kaufe ein Boot, wenn er nicht sicher sein könne, dass der Hersteller, am nächsten Tag noch existiere.

Zusätzlich erschwert werden die Gespräche dadurch, dass es nicht nur um die künftige Stellung von Bain geht. Vielmehr verläuft Verhandlungskreisen zufolge auch zwischen den beiden Hauptgläubigern eine Konfliktlinie. Denn das Geschäftsmodell von Oaktree basiert darauf, sich zu günstigen Preisen in das Fremdkapital wankender Firmen einzukaufen. Bei einem drohenden Kollaps wie bei Bavaria sollen die Kredite dann in Unternehmensanteile umgewandelt werden. Zugleich könnte Oaktree Eigenkapital nachschießen und sich so für wenig Geld die Mehrheit an dem Bootsbauer sichern.

Die Commerzbank droht in dieser Gemengelage das Nachsehen zu haben. „Natürlich argumentiert Oaktree: Wenn ich hier schon reinschieße, dann will ich auch möglichst viel Eigenkapital haben“, sagte ein Beteiligter. Die Commerzbank weigere sich indes, einen massiven Forderungsverzicht hinzunehmen, ohne zumindest auch die Chance auf eine Wertaufholung zu haben.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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