Eigentümer zerstritten
Hängepartie belastet Ferrostaal

Der Industriedienstleister Ferrostaal muss seine Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Korruptionsaffäre begraben. Entgegen der Erwartung wird die Staatsanwaltschaft München das laufende Verfahren gegen das Unternehmen vorerst nicht einstellen, wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr. Der Grund: die ungeklärte Eigentümerfrage.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Der frühere Mutterkonzern MAN und der arabische Mehrheitseigner IPIC haben sich über die Frage zerstritten, wie viel Geld Ferrostaal noch wert ist. IPIC verlangt einen kräftigen Abschlag beim Kaufpreis, da durch die Korruption einige Firmen wie Daimler oder Thyssen-Krupp ihre Partnerschaft eingefroren haben. MAN soll zudem für die direkten finanziellen Folgen der Korruptionsvorwürfe geradestehen.

MAN hatte Anfang 2009 zunächst 70 Prozent an den arabischen Staatsfonds verkauft, Anfang 2010 sollten die restlichen dreißig Prozent folgen. IPIC weigerte sich jedoch, den Restanteil zu nehmen, und stellt das gesamte Geschäft in Frage, nachdem Ferrostaal erheblichen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt ist.

Eigentlich wollten die Eigentümer ihre finanziellen Streitigkeiten vor Jahresende beilegen, so dass der Staatsfonds aus Abu Dhabi die Essener Ferrostaal komplett hätte übernehmen können. Mit der Einigung hätte die Staatsanwaltschaft München einen Bußgeldbescheid über knapp 200 Millionen Euro an Ferrostaal abgeschickt. Die Koppelung macht Sinn, da Ferrostaal nach Angaben aus Verhandlungskreisen kaum in der Lage sein dürfte, eine Zahlung in dem Umfang zügig aus eigener Kraft zu begleichen.

Für den neuen Ferrostaal-Chef Jan Secher ist der Zwist im Aktionärskreis eine schwere Belastung. Denn das Geschäft von Ferrostaal beruht auf Vertrauen; und das will Secher seit seinem Amtsantritt im Juli erneuern. Dazu hat er eine neue Strategie ausgearbeitet, die den Rückzug von schwierigen Aktivitäten wie dem Verkauf von Unterseebooten und anderen Marineeinheiten vorsieht. In den Fokus rücken die Bereiche Energie, Öl und Automotive.

Mit dem neuen Konzept beerdigt Secher das alte Geschäftsmodell. Ferrostaal galt als Außenstelle der Deutschland AG, die Maschinen im Ausland verkaufte und bei heiklen Rüstungsprojekten die Abwicklung übernahm. Die Staatsanwaltschaft München vermutet, dass Ferrostaal rund um den Globus seine Geschäfte massiv mit Schmiergeld angeschoben hat.

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