Eigentümerwechsel
Kreditgeber von Chrysler lenken ein

Vom Fließband an die Konzernspitze: Beim US-Autobauer Crysler steht ein außergewöhnlicher Eigentümerwechsel bevor. Finanzinvestor Cerberus tritt ab und überlässt seine Mehrheitsbeteligung der Gewerkschaft United Auto Workers. UAW würde damit weite Teile der US-Autoindustrie kontrollieren.

NEW YORK. Wesentliche Teile der US-Autoindustrie gehören möglicherweise künftig dem amerikanischen Steuerzahler sowie der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW). Nachdem der wankende Marktführer General Motors (GM) der US-Regierung für die Überweisung weiterer Staatshilfen eine Mehrheitsbeteiligung angeboten hat, steht jetzt auch der Rivale Chrysler vor einem außergewöhnlichen Eigentümerwechsel: Finanzinvestor Cerberus verabschiedet sich mit Milliardenverlusten, die Belegschaft soll ans Steuer. Das berichten US-Medien unter Verweis auf den jüngsten Chrysler-Restrukturierungsplan.

Zwei Tage vor Ablauf eines Ultimatums der US-Regierung zeichnet sich für den Autohersteller aus Auburn Hills eine Mehrheitsbeteiligung der UAW ab. Die Gewerkschaft solle als Gegenleistung für den Verzicht auf Milliardenforderungen sowie Änderungen in den Arbeitsverträgen 55 Prozent an der Ex-Daimler-Tochter erhalten.

Der italienische Allianzpartner Fiat würde demnach 35 Prozent der Anteile an Chrysler übernehmen, die US-Regierung sowie die Gläubiger die restlichen zehn Prozent. Offenbar haben die Kreditgeber damit nach langem Streit eingelenkt. Medienberichten zufolge wollen sie ihre Forderungen von fast sieben auf zwei Mrd. Dollar reduzieren. Ob der Kompromiss Chrysler vor einer Insolvenz bewahren kann, blieb unklar. Zuletzt hieß es, das Finanzministerium werde den Konzern unabhängig von einer Einigung mit den Kreditgebern in ein Konkursverfahren schicken, um Fiat den Einstieg zu erleichtern.

Chrysler hat noch etwa 25 000 gewerkschaftlich organisierte Belegschaftsmitglieder in den USA. Eine einfache Mehrheit muss den Sanierungsplänen bis Mittwochabend zustimmen, um den Weg für eine Mehrheitsbeteiligung zu bereiten. Faktisch würde Chrysler zwar von seinem industriellen Partner Fiat geführt. Die UAW solle künftig aber quartalsmäßig über die Lage des Unternehmens sowie über die Beiträge von „Führungskräften, CEO`s, Händlern, Zulieferern sowie anderen Beteiligten“ informiert werden.

Als Gegenleistung müssen die Chrysler-Mitarbeiter weitere Kürzungen bei Gehältern und Sozialleistungen hinnehmen. Die jüngsten Konzessionen sollen die Kosten von Chrysler etwa auf das Niveau der japanischen Konkurrenz bringen. Sie lässt ihre Autos für den US-Markt in den Südstaaten ohne gewerkschaftlichen Einfluss bauen. UAW-Präsident Ron Gettelfinger bat seine Mitglieder, den Plan zu ratifizieren. Auf dem Papier erzielt die Union über die anstehenden Beteiligungen bei Chrysler und GM zwar einen Zugewinn an Macht – allerdings bei Unternehmen, die in ihrer Existenz bedroht sind.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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