Bernhard Schreier hängt am Konzern Heidelberger Druckmaschinen wie kein anderer. Jetzt muss er zum zweiten Mal Stellen streichen. Kritiker halten ihn für zu zögerlich.
Der Vorstandsvorsitzende der Heidelberger Druckmaschinen, Bernhard Schreier, macht sich derzeit in der Belegschaft keine Freunde. Foto: dpa
Bernhard Schreier ist ein echter Heidelberger, im mehrfachen Sinn: 1954 in der Stadt am Neckar geboren, hat er dort fast sein gesamtes Berufsleben verbracht. Heute leitet er den Konzern, der mit seinem Namen die Stadt und das Unternehmen weltweit verbindet: Heidelberger Druckmaschinen.
Zurzeit ist das für ihn kein besonderes Vergnügen. Er muss ein Sparprogramm verkünden, das weltweit rund 500 der insgesamt knapp 20 000 Stellen kosten und das Unternehmen mit hohen außerordentlichen Aufwendungen belasten wird. Man nimmt dem eher auf Konsens bedachten Mann ab, dass ihm dies nicht leichtfällt. „Da steht man vor Leuten und hat Tränen in den Augen“, erinnerte sich Schreier – sonst eher sachlich, kontrolliert – im März im Gespräch mit dem Handelsblatt an drastische Einschnitte vor vielen Jahren.
Analysten kritisieren heute sogar, dass das aktuelle Sparprogramm viel zu lasch sei. Doch bei den Beschäftigten in Heidelberg und im Stammwerk Wiesloch wird Schreier einen schweren Stand haben. Denn viele kennt er noch persönlich.
Schreier ist einer der wenigen Spitzenmanager, die ihr Berufsleben nur bei einem Unternehmen verbracht haben. Bereits sein Vater und auch der Großvater haben bei dem Traditionsunternehmen mit über 150-jähriger Geschichte gearbeitet. Schreier kommt aus einfachen Verhältnissen. Sein Großvater beginnt nach der Flucht aus Ungarn als Hilfsarbeiter bei Heidelberg, sein Vater schafft es schließlich bis zum Vorarbeiter. Schreier verdient sich sein Studium an der Berufsakademie Mannheim zum Diplom-Ingenieur beim Druckmaschinenkonzern. Und startet später ganz selbstverständlich bei diesem Unternehmen.
Im Stammwerk Wiesloch vor den Toren Heidelbergs arbeitet er sich schnell nach oben, vom Assistenten der Montageleitung zum Leiter der Zentralmontage. Er ist Techniker durch und durch. Wenn er Kunden eine Druckmaschine erklären kann, dann ist er in seinem Element. Dann wird die manchmal zögerliche Sprache flüssig und bildhaft.

