Ein Jahr Diesel-Skandal
Ist Volkswagen vom Erfolg geblendet?

Die Ära Winterkorn war eine Zeit, in der eitel Sonnenschein herrschte. Dann holte ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit den Autoriesen ein. Die im September 2015 ausgebrochene Abgas-Affäre ist noch nicht vorbei.

Wolfsburg/BerlinEs war ein tiefer Fall für Volkswagen. Und er kam – jedenfalls für Hunderttausende Beschäftigte von Deutschlands größtem Konzern – weltweit wie ein Donnerschlag aus dem Nichts. „Dieselgate“. Wenige Wochen im Herbst 2015 reichen, um aus einem erfolgsverwöhnten, vor Kraft strotzenden Autobauer ein weitgehend verunsichertes Unternehmen zu machen. Die Abgaskrise rüttelt am Selbstvertrauen und Selbstverständnis der Industrie-Ikone VW.

Die Affäre um Millionen manipulierte Motoren ruft enttäuschte Kunden und Aktionäre ebenso auf den Plan wie zwischen Unverständnis und Wut schwankende Mitarbeiter, besorgte Verbraucherschützer und eifrige Staatsanwälte. Sie stürzt Manager, beschäftigt Scharen von Juristen, kostet Milliarden und stellt eine ganze Branche unter Verdacht.

Ein Jahr nach dem Bekanntwerden des Skandals ist aber auch klar: Der Wolfsburger Autoriese muss und will das alles zugleich als Chance zum Neubeginn nutzen – und das Erbe des Diesel-Debakels in eine Zeit der Ökoantriebe, Dienstleistungen und schlankeren Strukturen überführen.

Am 19. September 2015 sieht es noch so aus, als könne Volkswagen kein Wässerchen trüben. Tags zuvor hatten Umweltbehörden in den fernen USA zwar mitgeteilt, dass es bei Abgasmessungen von VW-Modellen nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Pressestelle aber tritt an jenem Samstag erst mal neuerlichen Gerüchten entgegen, der Konzern treibe einen Einstieg in die Formel 1 voran. Das seien bloß „Spekulationen“.

Dabei hätte die Königsklasse des Motorsports damals wie ein Sinnbild gepasst. VW scheint auf dem Zenit. Die Gewinnmaschine läuft rasant. Kaum eine Firma investiert so gewaltig, schafft so viele Jobs. Nur einen Tag später – am 20. September – endet die Rekordfahrt im größten Crash der rund 80-jährigen Konzerngeschichte. Die Wolfsburger müssen öffentlich „Manipulationen“ an ihren Dieselmotoren einräumen.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Milliarden werden zurückgestellt, am 23. September fegt der Skandal Vorstandschef Martin Winterkorn aus dem Amt. Für VW-Verhältnisse der Ausnahmezustand. Und der herrscht auch heute noch, wenn sich Ende September die Affäre erstmals jährt.

Die bisherige Bilanz ist katastrophal. Der einst so stolze Autobauer ist in den Grundfesten erschüttert, wichtige Zulieferer bangen, der Diesel scheint zumindest außerhalb Europas keine Zukunft zu haben. Rückrufe von Millionen Wagen bei VW, Audi, Skoda und Seat mit älteren Antrieben laufen nur schleppend an. Mit minus 1,6 Milliarden Euro steht 2015 für den größten Verlust in der VW-Geschichte. Zweistellige Milliardensummen dürfte die Krise am Ende kosten, Genaues ist unklar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%