Ein Leben für Krupp
Die Biografie eines Mannes mit unverwechselbarem Stil

Ende November wird eine Biografie über Berthold Beitz erscheinen. Der 97-Jährige versprach dem Gründersohn Alfried Krupp kurz vor dessen Tod, ihn bis an sein Lebensende zu vertreten. Doch nun ist die Nachfolge beschlossene Sache.
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DÜSSELDORF. Aufhören will Berthold Beitz nicht. Auch nicht mit 97 Jahren. Aber die Nachfolge ist beschlossene Sache: "Er (Gerhard Cromme) ist nicht der Typ Berthold Beitz", sagt Beitz über sich selbst und Cromme, "aber er wird dafür sorgen, dass die Firma erhalten bleibt."

Es ist eine der publizistischen Sensationen dieses Herbstes: Am 27. November erscheint im Berlin Verlag die Biografie über Berthold Beitz. Der 97-Jährige, der mehr als ein halbes Jahrhundert als Generalbevollmächtigter des Krupp-Konzerns arbeitete, hat erst kürzlich das 688 Seiten umfassende Buch von Joachim Käppner autorisiert. Beitz gilt als verschwiegen, er hat selten Interviews gegeben. "Er wollte erst nicht", sagt Autor Käppner, Historiker und Journalist, zum Entstehen des Buches, "doch dann hat er schließlich zugestimmt."

Von der Jugend in Pommern über die Kriegszeit und die Karriere bei Iduna-Germania in Hamburg bis zu dem Eintritt als 40-Jähriger bei Krupp im November 1953 und dem langen Engagement für den Konzern zeichnet Käppner das Leben des heutigen Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrates der Thyssen-Krupp AG nach. "Mich hat die menschliche Seite interessiert", erklärt der Autor, der Beitz vor drei Jahren bei einem Interview kennen lernte. Nach vielen Treffen und Interviews mit Weggefährten wie Cromme und Ex-Kanzler Helmut Schmidt entstand schließlich das Buch. Beitz öffnete seinem Biografen zudem sein Privatarchiv, das sich im Keller der Krupp-Stiftung in Essen befindet.

Käppner recherchierte auch in Israel und fand Zeitzeugen, von denen Beitz nicht wusste, dass es sie noch gibt: Sie gehörten zu den Juden, denen er zwischen 1942 und 1944 im polnischen Boryslaw das Leben rettete. Eine von ihnen, Sabina Wolanski, ist im Bildteil mit Beitz zusammen zu sehen.

Alfried Krupp habe ihn kurz vor dem Tod gebeten, gut auf die Firma aufzupassen, erzählt Beitz dem Biografen, und er versprach Krupp, ihn bis an sein Lebensende zu vertreten. Schmidt lobt im Vorwort den "unverwechselbaren Stil, seine Ablehnung von bürokratischen Bedenkenträgern und von intellektuellen Schönrednern".

Am Donnerstag stellt Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, seit Januar im Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat, das Buch in Berlin vor. Am Freitag erscheint im Handelsblatt im Rahmen der Serie "Deutschland, deine Dynastien" die Folge "Die Krupps" - mit detailliertem Blick in die Biografie.

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