Ein Machtmensch setzt sich durch Schrempp bleibt nicht ohne Blessuren

Gleich zu Beginn der mit großer Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung setzte Hilmar Kopper ein Zeichen und ließ eine demonstrative Vertrauenerklärung für seinen Freund Schrempp veröffentlichen. Der völlig überraschende Rückzug bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors hatte in der vergangenen Woche im Konzern für ein Erdbeben gesorgt und Schrempp ins Wanken gebracht.

HB NEW YORK/STUTTGART. Die Spekulationen in den Folgetagen nahmen immer mehr zu, andererseits blieben Schrempp-Vertraute im Unternehmen standhaft: Schrempp werde nicht gehen. Und dass nicht nur, weil sein Vertrag gerade um weitere drei Jahre verlängert worden war. Der Daimler-Chrysler-Chef hat schließlich seinem Ruf als Machtmensch alle Ehre gemacht.

Damit wäre eigentlich die Luft aus der Aufsichtsratssitzung in der City von New York heraus gewesen, die im übrigen schon seit vielen Wochen dort angesetzt war. Doch dann sorgten die 20 Konzern- Kontrolleure für einen Paukenschlag: Wolfgang Bernhard, der am kommenden Montag seinen Job als Chef der Mercedes Car Group antreten sollte, wurde überraschend von diesem Posten abberufen. Jürgen Hubbert hätte zusammen mit Bernhard bis zum August die Cash-Cow (Geldmaschine) des Konzerns gemeinsam führen sollen - dann sollte Bernhard das Zepter beim ältesten Autobauer der Welt übernehmen. Bernhards Karriere-Ende habe mit dem Mitsubishi-Rückzug und den Auseinandersetzungen um Schrempp aber nichts zu tun, hieß es in Konzernkreisen.

Was Hubbert der dpa in einer Sitzungspause sagte, ließ auf eine nachhaltige und ungewöhnlich gravierende Störung im Vertrauensverhältnis zwischen Bernhard und vielen Mercedes- Mitarbeitern bis ganz an der Spitze schließen. Offenbar hatte der zuvor bei Chrysler erfolgreiche Sanierer, der als knallharter Kostenkiller gilt, seit seiner Berufung am 18. Februar alles umzukrempeln begonnen; deshalb machte man sich in der Car Group ernste Sorgen um die Zukunft der Marke Mercedes-Benz. Der langjährige und sehr erfolgreiche Mercedes-Chef Hubbert, der immerhin 64 ist und im Frühjahr 2005 ganz aus dem Konzern ausscheiden wollte, scheint sich nun endgültig unentbehrlich gemacht zu haben. Bernhard dagegen dürfte nach Angaben aus dem Konzern schon bald das Unternehmen verlassen.

„Da war nichts und da ist nichts“, sagte ein Schrempp-Vertrauter nach der Vertrauenserklärung des Aufsichtsgremiums für den Konzernchef. Doch Schrempp geht nach Ansicht von Beobachtern eher geschwächt aus dem Mitsubishi-Krach hervor. Seine Strategie der „Welt AG“ ist zumindest stark in Frage gestellt und vielleicht gar nicht mehr zu realisieren. Der in Finanzkreisen sehr geschätzte Finanzchef Manfred Gentz hatte nach verschiedenen Berichten so nachdrücklich vor einer weiteren milliardenschweren Kapitalspritze bei Mitsubishi Motors gewarnt, dass Schrempp gegen seinen Willen auf die Gentz-Linie einschwenken musste. Und der Abgang von Bernhard ist nach Meinung von Beobachtern auch kein Ruhmesblatt für den DaimlerChrysler-Topmanager. Schließlich galt Bernhard bislang immer als „Schrempp-Mann“.

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