Einbruch im Juni
US-Autoabsatz weiter in der Krise

Erste Lichtblicke bei noch viel Schatten auf dem zuletzt katastrophalen US-Automarkt: Ford hat die Absatztalfahrt im Juni erstmals klar abbremsen können. Dagegen bekamen General Motors (GM) und Chrysler die Folgen ihres Überlebenskampfes heftig zu spüren und stürzten erneut drastisch ab.

HB NEW YORK. Auch der weltgrößte Autobauer Toyota musste überraschend heftige Einbußen hinnehmen. Bei den deutschen Herstellern konnten BMW und Daimler den Rückgang der Verkäufe gegenüber dem Mai zumindest etwas verlangsamen, wie die Autobauer am Mittwoch bekanntgaben.

Der mitten im Insolvenzverfahren steckende GM-Konzern verkaufte im Juni fast 34 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor. Insgesamt waren es 176 571 Stück. Im gesamten ersten Halbjahr brach der Absatz der bisherigen Opel-Mutter um 41 Prozent ein.

Der zweitgrößte amerikanische Autobauer Ford profitierte dagegen von der Not der US-Rivalen. Der Juni-Absatz fiel lediglich um knapp elf Prozent auf 155 195 Fahrzeuge - der geringste Rückgang seit weit über einem Jahr. Im Mai war das Minus mehr als doppelt so hoch. In den ersten sechs Monaten brachen die Verkäufe um ein Drittel ein.

Der Absatz der Marken Ford, Lincoln, Mercury und Volvo ging von 1,155 Mio. im Vorjahr auf rund 775 500 Stück zurück. Gleichzeitig wurden den Unternehmensangaben zufolge aber im Zeitraum von Januar bis Juni Marktanteile hinzugewonnen.

Die Lagerbestände seien im Juni um weitere 8000 Fahrzeuge auf 343 000 Stück reduziert worden, hieß es weiter. Im Vergleich zum Stand vor einem Jahr seien 214 000 Fahrzeuge von den Höfen geräumt worden. Wegen der höher als erwarteten Nachfrage nach neuen Modellen werde die Produktion im dritten Quartal auf 485 000 Stück angehoben. Gegenüber der Vorjahresperiode entspreche dies einer Steigerung um 16 Prozent.

Ford schob sich damit in den USA überraschend wieder vor Toyota. Die Japaner erlebten einen unerwartet düsteren Juni mit einem Minus von fast 35 Prozent auf 131 654 verkaufte Fahrzeuge, seit Januar ging es damit um fast 38 Prozent nach unten.

Chrysler stürzte im vergangenen Monat sogar um 42 Prozent auf 68 297 Wagen ab. Im Halbjahr lag der Einbruch bei 46 Prozent. Der kleinste der drei US-Anbieter hatte erst Mitte Juni mit dem Einstieg des italienischen Fiat-Konzerns sein Insolvenzverfahren verlassen.

Die Branche insgesamt erwartet nun eine allmähliche Stabilisierung des Marktes. Experten rechnen für dieses Jahr mit rund zehn Mio. in den USA verkauften Autos. 2008 waren es noch mehr als 13 Mio. Stück.

Bei BMW fiel der Konzernabsatz im Juni etwas weniger deutlich als zuletzt um 20 Prozent auf 20 849 Stück. Im Halbjahr ging es noch um fast 28 Prozent nach unten. Auch die Marke Mini konnte das nicht mehr ausgleichen, der Absatz ging um 21 Prozent auf 16 744 Stück zurück.

Daimler litt etwas stärker und verbuchte im Juni einen Einbruch um mehr als 26 Prozent auf 16 271 Wagen - besonders stark traf es den Kleinwagen smart. In den ersten sechs Monaten verkaufte Daimler über 28 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor.

Bei Volkswagen beschleunigte sich der Rückgang im Vergleich zum Vormonat wieder. Die VW-Verkäufe in den USA fielen im Juni um 18 Prozent auf 19 027 Fahrzeuge. Das Minus seit Jahresbeginn: 16 Prozent. Audi hat einen vergleichsweise moderaten Absatzrückgang verzeichnet. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum seien mit 7.524 Fahrzeugen 8,3 Prozent weniger verkauft worden, teilte die Volkswagen-Tochter am Mittwoch in Herndon mit. Seit Jahresanfang ist der Absatz um 15,9 Prozent auf 37.845 Stück gesunken.

Ganz hart traf es erneut Porsche. Bei dem Sportwagenbauer stürzten die Nordamerika-Verkäufe im Juni um 62 Prozent auf nur noch 1 072 Fahrzeuge.

Mit 1.072 Fahrzeugen lag die Zahl der Auslieferungen an Kunden in Nordamerika um 62 Prozent unter dem Vorjahreswert. Während die Zahl der Auslieferungen in Kanada um sechs Prozent auf 170 Einheiten stieg, ging die Zahl in den USA auf 902 Einheiten zurück. Von der Baureihe 911 wurden 449 Fahrzeuge ausgeliefert (-40 Prozent), die Verkäufe beim Cayenne gingen sogar um 72 Prozent auf 336 Fahrzeuge zurück. Von Boxster und Cayman wurden insgesamt 287 Modelle (davon 134 Cayman) verkauft, ein Rückgang von 66 Prozent.

Die Hoffnungen von Porsche richten sich jetzt auf die Markteinführung des viersitzigen Gran Turismo Panamera, der im Oktober 2009 auf dem nordamerikanischen Markt eingeführt wird.

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