Einbußen bei Banken und Auto-Industrie
Deutsche Konzerne ziehen Europa nach unten

Aufschwung oder Abschwung? Geht es nach den Analysten, dann starten Wirtschaft und Unternehmen in Europa ungeachtet der Bankenkrise schon 2009 wieder durch. Die konjunkturelle Frühindikatoren sowie die Unternehmen selbst signalisieren jedoch täglich, dass es noch lange abwärts gehen wird.

DÜSSELDORF. Nach vier Rekordgewinnjahren in Folge rechnen Fachanalysten damit, dass die Nettogewinne bei den 600 größten europäischen Firmen im laufenden Jahr um ein Prozent sinken. Das belegen Zahlen des Finanzdatenspezialisten Factset, der die Prognosen der Experten aller großen Investmentbanken sammelt. Deutlich schneller abwärts geht es für die exportorientierten deutschen Dax-30- Konzerne: Hier prognostizieren Analysten einen Gewinnrückgang von 7,5 Prozent. Anfang des Jahres lagen die Schätzungen noch bei einem Zuwachs von zwölf Prozent.

Doch selbst an diesen zurechtgestutzten Prognosen sind Zweifel angebracht. Denn einmalige Milliardenbelastungen könnten die Jahresbilanzen noch verhageln. Einen Vorgeschmack gab Siemens: Der Mischkonzern kündigte an, rund drei Mrd. Euro an negativen Sondereffekten noch in das alte Geschäftsjahr zu packen, die sich aus Umstrukturierungen und Umbauten ergeben. So will Siemens das neue Jahr altlastenfrei beginnen. Folgen mehr Unternehmen diesem Beispiel, drohen am Ende noch viel größere Gewinnrückgänge als bislang gedacht.

Kräftigen Einbußen bei den Banken stehen Zuwächse bei den Versorgern und Rohstoffskonzernen gegenüber. Sie profitieren von kräftig gestiegenen Weltmarktpreisen: Seit Jahresbeginn kletterte der Ölpreis in der Spitze um mehr als 50 Prozent, die jüngsten Einbrüche werden sich erst 2009 niederschlagen. Doch auch die klassischen Industrie-Unternehmen steigern 2008 ihre Nettogewinne noch einmal zweistellig - sie zehren von Überhangaufträgen.

So korrigierten der Stahlriese Thyssen-Krupp, aber auch der Sportartikelhersteller Adidas ihre Ergebnisprognose im Laufe des Jahres sogar nach oben. Für den Pharma- und Chemiekonzern Merck spielt die Finanzkrise noch immer keine Rolle. "Meine Erwartung war, dass wir erste Auswirkungen schon spüren müssten, aber das ist bislang nicht der Fall", sagte Vorstandschef Karl-Ludwig Kley. Die Erfahrung mit Krisen zeige aber, dass sie irgendwann zu sinkender Nachfrage führten.

Längst erreicht hat die Krise die Automobilindustrie. BMW und Daimler sowie der Zulieferer Continental warnten vor niedrigeren Erträgen. Conti rechnet mit einer Umsatzrendite bezogen auf das Vorsteuerergebnis von 8,5 anstatt 9,3 Prozent. Auch die Deutsche Post senkte ihre Erwartungen.

In den Unternehmen geht niemand davon aus, Finanzkrise und drohende Rezession 2009 ungeschoren zu überstehen. Dagegen rechnen Analysten damit, dass die Firmen schon wieder durchstarten: Nach Einschätzung von Fachexperten werden Europas Konzerne ihre Nettogewinne um 14 Prozent steigern. Bei den Dax-Konzernen erwarten sie sogar ein Plus von 20 Prozent.

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