Am 12. September wird der neue Name der Noch-RAG enthüllt, bis dahin ist die Fassade der Essener Zentrale weiterhin ganz in Schwarz gekleidet. Der Mischkonzern benötigt ein möglichst großes Medienecho, um sich für den Mitte nächsten Jahres erwarteten Börsengang zu positionieren: Experten erwarten eine baldige Trennung von der Immobiliensparte.
Das RAG-Gebäude in Essen ist am Sonntag (09.09.2007) mit Folien mit der Aufschrift "Guten Tag, ich bin neu hier!" verhüllt. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Noch bis Mittwoch sitzen etliche Mitarbeiter in der RAG-Zentrale auch tagsüber im Dunkeln. Vor einer Woche hatten Fassadenkletterer das RAG-Hochhaus an der Rellinghauser Straße in Essen für das große Ereignis am 12. September vorbereitet, Vorderfront und Rückfront des Gebäudes eingehüllt. Schwarze Folien als Sichtschutz nach innen verhindern, dass neugierige Mitarbeiter vorzeitig das Geheimnis lüften.
Zwei Tage müssen der riesige Vorhang, vor allem aber der erlauchte Kreis der Eingeweihten noch dichthalten. Gut ein Dutzend Leute, unter ihnen Konzernchef Werner Müller, soll den neuen Namen bereits kennen. Einen ersten Hinweis auf die künftige Konzernfarbe liefert allerdings eine Werbekampagne: Wenn etwa in den TV-Spots ein Elefant senkrecht eine Hochhausfassade hochklettert oder eine Dampfwalze einen Fernseher plättet, lautet die immer gleiche Frage auf purpurfarbenen Hintergrund: „Wer macht denn sowas?“. Antwort: die neue RAG.
Firmenchef Müller wird an diesem Mittwoch den Vorhang öffnen und verspricht den Pressefotografen schon jetzt „außergewöhnliche Aufnahmen im Rahmen der spektakulären Namens- und Logo-Einführung“. Die aufwendig inszenierten Namensfestspiele der Noch-RAG müssen ein Erfolg werden, der neu formierte Konzern braucht vom Start weg ein breites Medienecho, damit der für Mitte nächsten Jahres geplante Börsengang glatt über die Bühne geht.
Denn vor Müller und seinen fünf Vorstandskollegen liegt noch ein hartes Stück Arbeit. Das Kapitalmarktumfeld hat sich als Folge der weltweiten Finanzkrise zuletzt spürbar eingetrübt und die ersten Kandidaten für einen Börsengang in den kommenden Monaten kalte Füße bekommen.
Es kommt hinzu: Eine überzeugende Aktien-Story hat der Konzern nicht zu bieten. Schließlich tritt die neue RAG mit den drei Sparten Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien an. Mischkonzerne sind an der Börse nicht sonderlich beliebt und müssen sich häufig einen Kursabschlag gegenüber dem tatsächlichen Wert der einzelnen Unternehmensteile gefallen lassen. Fast alle Dax-Konzerne haben sich deshalb in den vergangenen Jahren auf ein oder zwei Kerngeschäftsfelder fokussiert.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Trennung von Immobiliensparte erwartet.
Auch die RAG wird kaum um eine Bereinigung herumkommen. Hochrangige Manager räumen hinter vorgehaltener Hand ein, dass sich der Konzern spätestens in zwei bis drei Jahren von der Immobiliensparte mit ihren 77 000 Wohnungen trennen wird. Der Erlös solle für Zukäufe in den Sparten Chemie oder Energie verwendet werden, heißt es. Ein RAG-Sprecher sagte dagegen: „Wir werden das Immobilienportfolio wertsteigernd weiterentwickeln. Alles andere steht nicht zur Debatte.“
Ein großes Fragezeichen steht mittlerweile auch hinter den Wachstumsplänen der Steag. Noch vor einem Jahr hätte der Stromerzeuger mit den bereits erteilten Genehmigungen für den Bau neuer Steinkohlekraftwerke bei den Anlegern punkten können. Nun aber machen die verstärkten Anstrengungen der Bundesregierung beim Klimaschutz der Steag einen Strich durch die Rechnung. Wie viele der Projekte realisiert werden, steht in den Sternen.
Die Börsenstory der RAG ist kompliziert. Deshalb wird Müller alles daran setzen, alle Verwertungsmöglichkeiten auszuschöpfen und noch vor dem Börsengang einen Investor mit ins Boot holen. Eine zweigleisige Strategie mindert das Risiko.

