Eine Pleite nach der anderen
Der Solarbranche droht das bittere Aus

Die Hersteller von Solaranlagen witterten goldene Zeiten. Die Industrie boomte, Fabriken schossen aus dem Boden. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die deutschen Unternehmen haben schlicht die Konkurrenz verschlafen.
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Als wolle sie mit dem Debakel nichts zu tun haben, versinkt die Sonne in strahlendem Gold hinter den Wellblechhallen der Conergy AG. Im Werk hat die Spätschicht begonnen. Rund 50 Mitarbeiter betreten die Arbeitsfläche. Sie überwachen, wie Roboter die Solarzellen mit Folien und einer Glasscheibe zu Photovoltaik-Modulen verschmelzen. Die Abteilung im Erdgeschoss ist alles, was von der Solarzellenproduktion geblieben ist. Einst arbeiteten in dem Werk 800 Menschen, heute sind es 320. Conergy lässt die Solarzellen nun in China produzieren und einfliegen. Das ist günstiger. Im ostdeutschen Frankfurt werden sie nur noch zu Modulen weiterverarbeitet.

"Wir können die Solarzellen-Produktion jederzeit wieder aufnehmen", sagt Conergy-Vorstand Alexander Gorski. Doch Gorski klingt nicht wie jemand, der noch an Solarzellen "Made in Germany" glaubt. "Außer Bosch, die jährlich Hunderte Millionen Euro in die Modernisierung der Produktion und Entwicklung stecken, sehe ich in Europa kein Unternehmen, das in den kommenden Jahren profitabel Solarzellen herstellen kann", sagt Gorski. Zu groß sei das Überangebot auf dem Weltmarkt, zu hochwertig seien die Zellen, die in China mit billigen Arbeitskräften und gewaltigen Skaleneffekten produziert würden.

Als vor einem Jahr die Bundesregierung beschloss, Deutschland solle sich künftig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen, schienen Solaranlagenhersteller vor goldenen Zeiten zu stehen. Ein Jahr später droht der Branche in Deutschland stattdessen das Aus. Im Dezember beantragte das Berliner Unternehmen Solon Insolvenz, ebenso Solar Millennium aus Erlangen. Im Februar legte Schott Solar Fertigungslinien still. Im März waren Scheuten Solar und Solarhybrid pleite. Anfang April traf es Q-Cells, einst größter Solarzellenhersteller der Welt.

Wie konnte das passieren? Die Suche nach der Antwort auf diese Frage führt ganz in den Osten der Republik, nach Frankfurt an der Oder; in das Epizentrum des Bebens der Solarbranche. Neben Conergy produzieren hier auch First Solar und die Odersun AG. Sie alle stehen vor dem Aus - und in der 60.000-Einwohner-Stadt sind 2.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Infografik

Solarzellenproduktion weltweit

in Megawatt

Als Frankfurt 2005 beschloss, auf die Sonnenseite zu wechseln, boomte die Solarindustrie. Binnen wenigen Jahren hatte sich die Wattzahl der in Deutschland installierten Photovoltaikanlagen vervielfacht. Die Unternehmen übertrafen sich mit Rekordgewinnen. Neue Fabriken wurden gebaut, bevorzugt im subventionierten Osten.

Kommentare zu " Eine Pleite nach der anderen: Der Solarbranche droht das bittere Aus"

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  • @Shorty
    "Ohne Subventionen funktioniert keine Volkswirtschaft"
    Wie gut die, in allen Bereichen, subventionierte Wirtschaft in der DDR funktioniert hat, haben wir ja gesehen. Gesunde Unternehmen benötigen keine Subventionen. Die verdienen ihr Geld mit ihren Produkten!

  • Sie wissen doch, der Strom kommt aus der Steckdose. Die Bauern jedenfalls sind 100 mal schlauer als der verstädterte Atommensch. Fahren Sie übers Land, die Scheunen sind randvoll gepackt mit Panels. Und die Traktoren neu und groß.

  • Seltsame Ansichten wie die Ihre gehören generell auf den Prüfstand. Ohne Subventionen funktioniert keine Volkswirtschaft.

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