Einer der ersten deutschen Konzerne
Daimler kehrt in den Irak zurück

Als einer der ersten deutschen Großkonzerne kehrt der Autohersteller Daimler in den Irak zurück. Trotz ständiger Entführungen von Ausländern und Anschlägen planen die Stuttgarter noch im laufenden Jahr wieder ein Büro in der irakischen Hauptstadt Bagdad zu eröffnen.

FRANKFURT. "Wir beabsichtigen eine Repräsentanz im Irak zu errichten und wissen, dass die irakische Regierung dies begrüßen würde", sagte eine Daimler-Sprecherin. Der Autohersteller habe mit dieser Entscheidung allerdings keine Investitionszusagen verbunden. In Unternehmenskreisen hieß es, dass Daimler am Aufbau eines Nutzfahrzeuggeschäfts im Irak interessiert sein könnte, wo Mercedes-Benz-LKW sehr populär sind. Daimler kehrt damit nach langen Jahren wieder in das ehemalige Kriegsgebiet zurück. "Das zeigt, dass wir an eine weitere Normalisierung der Lage im Irak glauben", betonte die Sprecherin.

Nach einer Phase der Ernüchterung nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein wittern deutsche Firmen damit wieder verstärkt ihre Chance in dem politisch nach wie vor instabilen Land. "Wir verspüren wieder ein verstärktes Interesse deutscher Firmen am Irak, seitdem sich die Sicherheitslage dort verbessert hat", sagte der Irak-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. "Wenn die Lage stabil bleibt, bin ich mir sicher, dass wir in Zukunft wieder mehr deutsche Unternehmen dort sehen werden."

Die Rückkehr der Stuttgarter ist ein kleiner Triumph für die am Wiederaufbau interessierte Zivilregierung des Landes. Denn Daimler ist eines der ersten großen westeuropäischen Unternehmen, das aus anderen Gründen als den großen Ölreserven oder größeren Aufträgen im Rahmen des Wiederaufbaus in den Irak kommt. Dem Irak ist es nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) gelungen, das Land makroökonomisch zu stabilisieren: Der Fonds rechnet für den Irak 2008 mit einem Wirtschaftswachstum von sieben Prozent. Das Investitionsprogramm des Staates für den Wiederaufbau ist laut IWF zudem "ambitioniert" und mit einem Staatshaushalt von 53,4 Mrd. Dollar gut finanziert.

Daimler ist allerdings nicht die erste deutsche Firma in dem vom Krieg zerrissenen Land. Der DIHK schätzt die Zahl der deutschen Firmen mit Niederlassungen im Irak auf etwa 20. Hauptsächlich seien dies Firmen, die mit dem Wiederaufbau beschäftigt sind.

Aufgrund der Sicherheitslage schwankten die deutschen Exporte in den Irak laut DIHK in den vergangenen Jahren kräftig. Nachdem sie im Jahr 2005 um ein Viertel gesunken waren, kletterten sie 2006 wieder in die Höhe, um 2007 erneut auf nunmehr 319 Mill. Euro abzusinken, wie Neugart berichtete. Anfang der achtziger Jahre hatten deutsche Firmen noch Waren im Wert von vier Milliarden Euro in den Irak geliefert und waren bis in die achtziger Jahre hinein größter Handelspartner der Iraker. Deutsche Unternehmen beklagen heute jedoch mangelnde Unterstützung durch die Regierung. hz/mbr

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