Einige Zahlen fielen schlechter als erwartet aus
Fiat fährt wieder in die Gewinnzone

Der italienische Auto- und Industriekonzern hat im zweiten Geschäftsquartal operativ 18 Millionen Euro verdient. Der Autobereich enttäuschte jedoch mit einem hohen Verlust.

HB BALOCO. Mit Blick auf die Prognosen des früheren Managements erklärte der Konzern am Montag, dessen Ziele für die künftige Geschäftsentwicklung seien „übermäßig optimistisch“ gewesen.

Zwar werde der gesamte Konzern in diesem Jahr wieder die Gewinnzone erreichen, für die angeschlagene Autosparte sei dieses Ziel dagegen erst für 2006 realistisch, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Bisher war dies für 2005 angepeilt worden.

Die Aktien von Fiat legten an der Mailänder Börse unterdessen gegen einen negativen Markttrend 2,36 Prozent auf 6,47 Euro zu. Händler begründeten dies mit Äußerungen Marchionnes zu einem Verkauf der Autosparte an den weltgrößten Branchenvertreter General Motors (GM).

GM hatte 2000 ein Fünftel der Anteile an Fiat Auto erworben. Die Beteiligung hatte sich allerdings bei einer Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr halbiert. Mit seinem Einstieg in das Unternehmen hatte GM Fiat eine Verkaufsoption für die übrigen Anteile an der Autosparte eingeräumt. „Ich weiß heute von nichts, das darauf hindeutet, dass die Option im Januar 2005 nicht ausgeübt werden könnte“, sagte Marchionne. GM hatte zuletzt argumentiert, die Option sei nicht mehr gültig, nachdem Fiat sich im Verlauf seiner Geschäftskrise von Unternehmensteilen getrennt habe.

Operativ verdiente der gesamte Fiat-Konzern im zweiten Quartal 18 Millionen Euro nach einem Verlust von 25 Millionen Euro vor einem Jahr. Analysten hatten im Schnitt einen operativen Gewinn von zwölf Millionen Euro vorausgesagt. Der Umsatz verringerte sich auf 12,3 Milliarden Euro von 12,5 Milliarden Euro. Für die Auto-Sparte nannte Fiat einen operativen Verlust von 282 Millionen Euro, der zum Teil durch einen dreiwöchigen Streik im süditalienischen Werk Melfi verursacht worden sei. Der Streik habe zu einem Produktionsverlust von 40.000 Autos geführt, zudem hätten Händler ihre Lager abgebaut und es seien höhere Kosten für Forschung und Entwicklung angefallen. Analysten hatten im Schnitt einen Fehlbetrag von 180 Millionen Euro nach 234 Millionen Euro erwartet. Die Erlöse von Fiat-Auto seien in den drei Monaten von April bis Ende Juni dank neuer Modelle um 2,6 Prozent gesteigert worden. Der Stückumsatz habe um zwei Prozent zugenommen.

„Das sind keine großartigen Quartalsergebnisse und einige Zahlen fielen schlechter als erwartet aus“, sagte ein Aktienhändler. „Aber sie haben ihr Ziel einer Rückkehr in die Gewinnzone 2004 wiederholt. Der Markt hatte mit einer negativeren Überraschung gerechnet.“ Der größte Arbeitgeber Italiens aus dem privaten Sektor prognostizierte für das Jahr 2006 einen Reingewinn von mehr als 500 Millionen Euro für den Gesamtkonzern. 2007 werde der Gewinn mindestens 1,4 Milliarden Euro betragen.

Die Ankündigungen des früheren Managements, auch mit der Autosparte im kommenden Jahr die Gewinnzone zu erreichen, tat Marchionne allerdings als unrealistisch ab. Nach Einschätzung von Analysten ist es diese Sparte, die dem Konzern am meisten Kopfzerbrechen bereitet. „Fiats operativer Trend bleibt beeinträchtigt durch die Entwicklung des Auto-Kerngeschäfts“, teilte die Investmentbank Morgan Stanley mit. Fiat hielt unterdessen an einem früheren Plan zur Reduzierung der Kosten und Verbesserung der Gewinnspannen fest und setzt seine Hoffnungen auf neue Modelle.

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