Einigung im Streit mit Zulieferer
VW-Werke werden wieder beliefert

Der erbitterte Streit zwischen Volkswagen und den Zulieferern der Prevent-Gruppe ist beendet. Nach 19 Stunden Verhandlung haben sich beide Parteien auf eine Lösung verständigt. VW hat sich die Einigung teuer erkauft.
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Wolfsburg/DüsseldorfDer Machtkampf zwischen VW und zwei wichtigen Zulieferern ist vorbei. Der Autobauer und die Unternehmen der Prevent-Gruppe haben sich am Dienstag in Wolfsburg auf eine Lösung des Streits geeinigt. Das bestätigte der VW-Konzern. „Die Lieferanten nehmen die Belieferung von Volkswagen kurzfristig wieder auf. Die betroffenen Standorte bereiten demgemäß schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor“, teilte der Autobauer mit. Gut 19 Stunden hatten die zähen Verhandlungen gedauert. Über die Inhalte der Einigung haben die Konzerne Stillschweigen vereinbart.

Die Unternehmen ES Guss und Car Trim haben ihren Lieferstopp ab sofort beendet: Beide Autozulieferer wollen die Fertigungsstätte von VW unverzüglich wieder mit dringend benötigten Autoteile beliefern, damit die Produktion – unter anderem des Modells VW Golf – wieder anlaufen kann.

Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, seien sich beide Parteien entgegengekommen. Zu Details der Einigung wollten sich beide Unternehmen nicht äußern. „Über die Inhalte der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart. Die Lieferanten nehmen die Belieferung von Volkswagen kurzfristig wieder auf“, erklärten die Unternehmen lediglich.

Doch nach Informationen des Handelsblatts sorgt die Verhandlungslösung im Kern dafür, dass die bestehenden Lieferverträge wieder erfüllt werden. Die beiden Unternehmen verpflichteten sich auch dazu, auf gegenseitige Schadensersatzforderungen zu verzichten, wie es in informierten Kreisen heißt. Während des Streits hatten beide Seiten noch mit entsprechenden Forderungen gedroht.

Der Zulieferer wird zudem etwas Geld für ein geplantes Gemeinschaftsprojekt erhalten. Die Prevent-Firma Car Trim sollte eigentlich neue Sitzbezüge für Modelle von VW und Porsche liefern, worauf der Autohersteller aber verzichten will. Der Betrag werde aber nicht wie zuvor gefordert bei 58 Millionen Euro, sondern bei gut zehn Millionen Euro liegen, hieß es weiter. Außerdem steht in der Vereinbarung, dass Volkswagen für sechs Jahre an Car Trim und die zweite Prevent-Tochter ES Guss vertraglich gebunden ist. Bei den nun dringend benötigten Getriebeteilen darf sich VW einen weiteren Zulieferer suchen, dessen Lieferanteil aber nicht mehr als 20 Prozent erreichen darf.

Zwischen Volkswagen und den beiden wichtigen Teilezulieferern tobte seit Tagen ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Die Hintergründe sind unklar. Wegen eines Lieferstopps stehen bei dem Autobauer viele Bänder still: Der Konzern wartet auf Getriebeteile und Sitzbezüge von den Zulieferern ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören.

Wegen des Streits können laut VW insgesamt 27.700 Mitarbeiter in mehreren Werken nicht so arbeiten wie geplant. Allen voran steht im Stammwerk Wolfsburg die Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf still. Der Autobauer sprach von „Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit“. Die Zulieferer-Branche befürchtet bereits Auswirkungen auch auf andere Lieferanten. Die Bundesregierung hatte am Montag eine Lösung angemahnt.

Bei der Firma ES Automobilguss in Schönheide im Erzgebirge war für diesen Dienstag zudem eine Betriebsversammlung geplant. Daraus erhofften sich die Arbeitnehmervertreter Antworten auf die vielen Fragen zur Zukunft des Zulieferers. Ob die Versammlung nach der jetzt bekanntgewordenen Einigung stattfindet, ist unklar.

Volkswagen hatte neben der Verhandlungslösung auch immer betont, notfalls auf gerichtlichem Wege eine Herausgabe der Teile zu verlangen. Das Landgericht Braunschweig hatte einstweilige Verfügungen erlassen, welche die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten. VW hätte aber frühestens Ende dieser Woche seine Ansprüche per Gerichtsvollzieher durchsetzen und die Teile holen lassen können.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) begrüßte die Einigung in dem Streit, „der für alle Beteiligten wirtschaftlich schädlich und belastend war“. Das Land ist mit 20 Prozent zweitgrößter VW-Aktionär. Vor allem die Mitarbeiter seien seiner Ansicht nach „in den letzten Tagen Opfer eines Konfliktes“ geworden, „der ohne Not auf ihrem Rücken ausgetragen worden“ sei. Dieses Beispiel dürfe „keine Schule machen“.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Einigung im Streit mit Zulieferer: VW-Werke werden wieder beliefert"

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  • Herr Thomas Behrends23.08.2016, 13:01 Uhr
    ... wenn erst einmal der Wurm in einem Unternehmen drin steckt, dann aber auch richtig.

    Na klar hat VW die Krise selbst herbeigeführt, denn wenn die Einkäufer dieses Autogiganten selbst nicht mehr wissen, wie es um ihre eigene Position im Verhältnis zu ihren Lieferanten steht, müssen sich die leitenden Angestellten (ich benutze jetzt bewusst nicht diesen abgeschmackten Begriff Manager) nicht wundern, dass sich ihre Vertragspartner nicht alles gefallen lassen.

    .......

    Es sind die eigene Mitarbeiter zum Teil mit dem Unternehmen auch nicht zufrieden...doch diese stempelt man ab und macht diese schlecht oder geht weiter und mobbt diese aus den Werken raus.

    Wer aber als Mitarbeiter mit Herz für PRODUKT und Firma dabei ist der tut nun mal reklamieren was falsch gemacht wird.

    Und dann ist es aber so dass die größte und schlimmste Fehler vom Management kommen und nicht einmal die Betriebsräte sich wagen direkt die Problematiken anzusprechen !!!

    Bei Vertragspartner die benötigen immer einen Guten Anwalt !
    Aber Zulieferer Firmen brauchen keine so große Ängste haben !

    Anders ist es bei Bauliche Maßnahmen in Millionen Höhe von Euro...da werden Subunternehmer gesucht um die schwierigste und fast nicht zu erfüllende Aufgaben zu Übernehmen.
    Diese Subunternehmen freuen sich anfangs über das schöne Geld, doch schon bald kommen die Reklamationen die dann einen Subunternehmer in die Insolvenz zwingen kann.



  • ... wenn erst einmal der Wurm in einem Unternehmen drin steckt, dann aber auch richtig.

    Na klar hat VW die Krise selbst herbeigeführt, denn wenn die Einkäufer dieses Autogiganten selbst nicht mehr wissen, wie es um ihre eigene Position im Verhältnis zu ihren Lieferanten steht, müssen sich die leitenden Angestellten (ich benutze jetzt bewusst nicht diesen abgeschmackten Begriff Manager) nicht wundern, dass sich ihre Vertragspartner nicht alles gefallen lassen.

    Es ist natürlich ein Versäumnis von VW sich die Getriebeteile und Sitzbezüge jeweils einseitig von nur einem Lieferanten zusenden zu lassen.

    Risikominimierung wäre hier angesagt gewesen.

    Das bringt man aber Industriekaufleuten bereits während ihrer Berufsausbildung bei.

    Nur die super-intelligenten und über-studierten Lenker der Konzerne haben davon offenbar nie etwas gehört oder gelesen.

    Insofern geschieht es VW auch diesmal recht einen Denkzettel zu erhalten!

    Schließlich drücken die Chefeinkäufer bei VW bei Verhandlungen ihre Lieferanten ja auch bis zum Erbrechen im Preis. Man könnte auch von Erpressung sprechen (Vogel friß oder stirb Politik).

  • Schon erstaunlich das sich noch Abnehmer fuer den Edelschrott aus Wolfsburg finden. In den USA hat VW fertig, und das ist auch gut so.

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