Einigung ist Steilvorlage für VW und Opel
Daimler übt Druck per Sparpaket aus

Nach der Einigung auf ein Sparpaket beim Autokonzern Daimler-Chrysler stehen die Belegschaften von Opel und VW bei ihren anstehenden Verhandlungen mit dem Rücken an der Wand. Der VW-Großaktionär Niedersachsen forderte bereits auch in Wolfsburg längere Arbeitszeiten.

hz FRANKFURT/M. Mit dem derzeitigen Haustarifvertrag werde VW seine rund 176 000 Arbeitsplätze in Deutschland nicht erhalten können, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff der „Berliner Zeitung“. Sowohl VW als auch Opel verhandeln noch im Spätsommer mit ihren Belegschaften über Kostensenkungen. Wenn ein hochprofitabler Premiumhersteller wie Mercedes ein solches Sparpaket schnüre, steige der Druck natürlich immens, sagte der stellvertretende Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Klein dem Handelsblatt.

Für den Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer vom Prognoseinstitut B&D Forecast ist die Dringlichkeit von Einsparungen bei den beiden margenschwachen Volumenherstellern wesentlich größer als bei Mercedes. Weder Opel noch VW mit seiner Kernmarke verdienten derzeit in Europa wirklich Geld, sagte Dudenhöffer dem Handelsblatt. Die Belegschaften müssten sich deshalb auf längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich einstellen, prophezeite der Experte.

Opel-Chef Hans Demant verlangt bei den Gesprächen neben einer deutlichen Kostensenkung von den rund 32 000 Mitarbeitern in Deutschland auch eine stärkere Flexibilisierung der Produktion. VW- Personalchef Peter Hartz will die Personalkosten mittelfristig um 30 Prozent senken, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.

Daimler hatte nach tagelangem Ringen mit Betriebsrat und IG Metall Ende vergangener Woche seine Einsparforderungen von 500 Mill. Euro pro Jahr durchgesetzt. Im Gegenzug gab das Management für die deutschen Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2012 und kürzte die Vorstandsbezüge um zehn Prozent pro Jahr. „Wir haben eine gute Lösung für Daimler- Chrysler, aber auch für den Standort Deutschland gefunden“, sagte Konzernchef Jürgen Schrempp in Stuttgart. Es sei gelungen, ohne fundamentale Eingriffe in den Tarifvertrag eine Einigung zu erzielen, pries auch der Chef des Gesamtbetriebsrats, Erich Klemm, den Abschluss.

Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hatte gedroht, die Fertigung der C-Klasse nach 2007 aus Kostengründen von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu verlegen. Dies hätte mehr als 6 000 Arbeitsplätze im Südwesten bedroht. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete die Einigung als vernünftige Lösung, die zukunftsweisenden Charakter habe.

Die Konzernchefs der Autogiganten Opel und VW dürften die Einigung aufmerksam verfolgt haben. So müssen sich die Beschäftigten bei dem Wolfsburger Unternehmen in den kommenden Jahren auf längere Arbeitszeiten sowie eine leistungsorientierte Bezahlung einstellen, wie VW-Personalmanager Josef-Fidelis Senn bereits klarstellte. Die Gespräche über das Paket beginnen im September. Der VW-Vorstand hat angedeutet, dass er zu einem Eigenbeitrag bereit sei.

Auch der Opel-Betriebsrat hat seine Forderung nach einem Sparbeitrag vom eigenen Top-Management erneuert. „Da muss auch der Vorstand ein Zeichen setzen“, sagte Gesamtbetriebsratschef Klein. Ohne Jobzusagen werde es jedoch keinen Standortvertrag mit dem Betriebsrat geben. Im Gegensatz zu Daimler schließt das Opel-Management jedoch bislang eine Beschäftigungsgarantie aus.

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