Einigung mit Banken
Merckle-Imperium zerbricht

Es war eine Einigung zu einem hohen Preis: Die angeschlagene Firmengruppe von Adolf Merckle, der am Montag Selbstmord begangen hatte, bekommt den notwendigen Kredit. Allerdings muss der Pharmahersteller Ratiopharm verkauft werden. Und es gibt unangehme Bedingungen für Merckles Sohn Ludwig.

STUTTGART/FRANKFURT. Nach dem Freitod von Firmenpatriarch Adolf Merckle läuft die Sanierung seiner angeschlagenen Unternehmensgruppe wie geplant weiter. Von den Gläubigerbanken erhielten die Merckle-Firmen VEM Vermögensverwaltung und Phoenix Pharmahandel gestern einen Überbrückungskredit. Um die Finanzsituation der Gruppe nachhaltig neu zu strukturieren, habe sich die Familie Merckle mit den Banken geeinigt, den Generikahersteller Ratiopharm zu veräußern, teilte VEM mit.

Nach Informationen aus Bankenkreisen erhält die VEM rund 110 Mio. Euro frische Mittel. Weitere 320 Mio. Euro fließen an die Phoenix-Gruppe. Die Überbrückungskredite werden im Wesentlichen von den bisherigen Hauptgläubigern der Gruppe gestellt, darunter Commerzbank, LBBW, RBS und Deutsche Bank. Bei Phoenix sind zusätzlich acht weitere Institute mit im Boot.

Kurz vor Jahresende hatten die insgesamt mehr als 30 Gläubigerbanken bereits ein Stillhalteabkommen für die bestehenden Verbindlichkeiten der Firmengruppe unterzeichnet, das bis 31. März läuft. Insgesamt sind die verschiedenen Holdingfirmen von Merckle nach Informationen aus Finanzkreisen mit etwa fünf Mrd. Euro verschuldet – bedingt vor allem durch die kreditfinanzierte Mehrheitsübernahme des Baustoffkonzerns Heidelberg Cement durch Merckle sowie zu einem geringeren Teil durch fehlgeschlagene Spekulationsgeschäfte.

Der Sanierungsfahrplan sieht vor, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein Gutachten für die betroffenen Merckle-Firmen erstellt. Vorausgesetzt, dass KMPG die Sanierungsfähigkeit der Gruppe feststellt, sollen die Verbindlichkeiten ab März durch einen Sanierungskredit abgelöst werden. Dieser Kredit wiederum soll anschließend durch den Verkauf von Ratiopharm sowie weiterer Beteiligungen getilgt werden. So gehen Bankvertreter davon aus, dass sich die Gruppe auch von einem Großteil ihrer knapp 80-prozentigen Beteiligung an Heidelberg Cement und möglicherweise auch von der Phoenix-Gruppe, dem zweitgrößten Pharmahändler in Europa, trennen muss.

Vor allem die VEM war durch einen starken Wertverlust ihrer Heidelcement-Beteiligung in Liquiditätsnöte geraten. Zusätzlich verschärft wurden die Probleme durch eine fehlgeschlagene Wette auf fallende VW-Kurse, die nach Merckles Angaben zu einem niedrigen dreistelligen Millionenverlust führte. Da man zur Refinanzierung Gelder aus der Phoenix-Gruppe abgezogen hatte, geriet auch der Pharmahändler in Schieflage.

In den äußerst schwierigen Verhandlungen mit den Gläubigerbanken zeichnete sich bereits seit Wochen ab, dass Adolf Merckle die Kontrolle über seine operativen Unternehmen weitgehend verlieren würde. Es war wohl vor allem diese Perspektive, die den 74-jährigen Unternehmer am Montagabend veranlasste, sich das Leben zu nehmen..

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